Economía

„Ganze Lieferketten in Gefahr“ – Vor Reiches Besuch dreht China Deutschland den Hahn zu

„Ganze Lieferketten in Gefahr“ – Vor Reiches Besuch dreht China Deutschland den Hahn zu

Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) hat bei ihrem China-Besuch faire Wettbewerbsbedingungen für deutsche Unternehmen angemahnt. „Wettbewerb ist uns nicht fremd. Wettbewerb bringt uns nach vorn“, sagte die CDU-Ministerin zum Auftakt eines Treffens mit Chinas Handelsminister Wang Wentao in Peking. Wettbewerb müsse aber „zu beiderseitigem Nutzen“ und transparent ausgestaltet sein. Reiche betonte, dass „Reziprozität“ das Leitprinzip der Bundesregierung sei und bleibe. Gemeint sind möglichst vergleichbare Marktzugangs- und Wettbewerbsbedingungen für Unternehmen in beiden Ländern.

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Reiche will in Peking unter anderem über Lieferketten, den Zugang zu Seltenen Erden und Marktzugangsbedingungen sprechen. Dabei gehe es auch darum, wie China Unternehmen unterstütze, wie Deutschland Unternehmen unterstütze und wie sich beides „in einen ausbalancierten Zustand“ bringen lasse. China habe in den vergangenen Jahren weltweit enorm investiert, sagte Reiche. Zugleich verwies sie auf den großen chinesischen Handelsbilanzüberschuss von rund 1,2 Billionen Euro.

China dreht Deutschland den Hahn zu

Brisant sind die Aussagen Reiches vor allem wegen neuer Zahlen zu kritischen Rohstoffen. Nach einer Analyse des Rohstoffhändlers Tradium auf Basis chinesischer Zolldaten exportierte China im April weltweit nur noch drei Kilogramm des Metalls Gallium – die gesamte Menge ging nach Malaysia. Im März hatten die Ausfuhren demnach noch bei 5320 Kilogramm gelegen, im April 2025 bei 4777 Kilogramm.

Bei dem Metall Germanium fiel der Einbruch ebenfalls drastisch aus: Deutschland und Japan erhielten im April jeweils weniger als ein Kilogramm, weitere Zielländer wurden nicht registriert.

Rohstoffe essenziell für 5G und Glasfaser

Für die deutsche Wirtschaft kann das erhebliche Folgen haben. Gallium wird unter anderem für integrierte Schaltkreise in 5G-Netzen, Radarsysteme, Satelliten, LEDs, Hochfrequenzchips in Smartphones und Militärelektronik benötigt. Germanium ist ein wichtiger Rohstoff für Glasfaserkabel, bestimmte Solarzellen und Halbleiter sowie für Infrarotoptik in Nachtsichtgeräten und Wärmebildkameras.

Christian Hell, Senior Manager für Germanium und Minor Metals bei Tradium, warnt vor erheblichen Folgen. „Ganze Lieferketten sind in Gefahr“, sagte er. Für viele Käufer außerhalb Chinas werde es „wirklich schwierig“, die Rohstoffversorgung zu sichern. Wer sich bislang auf diese Lieferungen verlassen habe, solle nach Alternativen suchen.

Nach Einschätzung Hells ist auch das Signal an Deutschland bemerkenswert. „Und bei Gallium sieht es kaum besser aus. Wenn sogar Deutschland, das bisher relativ zuverlässig beliefert wurde, leer ausgeht, ist das ein klares Signal“, heißt es in der Tradium-Analyse. Zugleich verweist der Rohstoffhändler darauf, dass unklar bleibe, ob der Einbruch im April auf eine bewusste Verschärfung der chinesischen Exportpolitik zurückgehe oder auf Verzögerungen und Engpässe bei der Vergabe von Ausfuhrlizenzen.

Chinas Handelsminister Wang Wentao dürfte in den Gesprächen mit Reiche mit deutlichen Forderungen aus Berlin konfrontiert werden. Schon vor ihrer Ankunft in Peking hatte die Ministerin auf den wachsenden Druck durch chinesische Ausfuhren verwiesen. „Durch den Zollstreit mit den USA leitet China seine Waren in neue Märkte um“, sagte Reiche dem „Kölner Stadt-Anzeiger“. Deutschland habe seine Interessen in der Vergangenheit nicht klar genug benannt. „Die Bundesregierung artikuliert nun unsere Interessen, ruhig und lösungsorientiert“, sagte sie. Offene Märkte seien eine „wesentliche Grundlage unseres wirtschaftlichen Erfolgs“.

Reiche will in Peking auch mit Vizeministerpräsident He Lifeng sprechen, der in der chinesischen Regierung Handelsfragen mitverantwortet. Im Tross der früheren Managerin reisen mehrere deutsche Unternehmensvertreter mit, darunter BASF-Chef Markus Kamieth und Thyssenkrupp-Chef Miguel Ángel López Borrego. Am Donnerstag will Reiche in der südchinesischen Industriemetropole Guangzhou Firmen besuchen und Vertreter der Lokalregierung treffen.

Unternehmensvertreter fordern von Reiche klare Worte. Die Europäische Handelskammer in China verlangte, die Ministerin der größten Volkswirtschaft in der EU müsse deutlich machen, dass die Europäische Union als Einheit auftrete. Kammerpräsident Jens Eskelund sagte, Europa müsse zugleich klarmachen, dass es unter den richtigen Bedingungen zu Geschäften mit China bereit sei.

Eskelund warnte jedoch vor einer wachsenden Abhängigkeit deutscher und europäischer Unternehmen von China. „Wir sehen nicht, dass Derisking ein Thema wird – wenn überhaupt, zeigt sich, dass die Firmen abhängiger von China als Beschaffungs- und Produktionsstandort für ihre Produkte werden“, sagte er. Der Begriff Derisking meint die Verringerung einseitiger Abhängigkeiten. Genau diese Abhängigkeiten werden nun bei kritischen Rohstoffen besonders sichtbar.

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