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Sektion am Strand: CSI Timmy! So läuft die Obduktion vom Buckelwal ab

Sektion am Strand: CSI Timmy! So läuft die Obduktion vom Buckelwal ab
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Anholt (Dänemark) – Es wird ein Einsatz, der nichts für schwache Nerven ist. Donnerstagnachmittag soll der tote Buckelwal Timmy direkt am Strand der dänischen Insel Anholt obduziert werden. Tierärzte, Forscher und Experten reisen dafür an, um die letzten Geheimnisse des Giganten zu entschlüsseln. Die wichtigste Frage: Woran starb der Wal wirklich? Doch wie untersucht man eigentlich ein Tier, das so groß ist wie ein Bus?

Eine Wal-Obduktion ist für die Pathologen keine Routine, sondern ein logistischer Kraftakt unter freiem Himmel und spannend wie ein Krimi mit offenem Ende: CSI: Timmy! Denn der Buckelwal liegt aufgebläht im Sand, die Verwesung hat längst eingesetzt. Für die Beteiligten bedeutet das: Vollschutzanzug, Kapuze, Schutzbrille, Atemmaske – und am besten noch etwas für die Nase. Denn der Geruch wird extrem sein. Im Körper des toten Tiers arbeiten Milliarden von Bakterien, Gase entstehen, Keime gelangen in die Luft.

Schnitt für Schnitt ins Innere von Timmy

Mit gewaltigen Werkzeugen beginnen die Experten, Timmy zu öffnen. „Das sind große Flenzmesser an langen Stielen“, sagt Meeresbiologe und Walforscher Fabian Ritter. Damit setzen sie die ersten Schnitte durch die 20 Zentimeter dicke Haut, durch Fett und Muskeln. Alles folgt einem festen Plan. „Die Pathologen haben ein Protokoll. Sie wissen, wo der erste Schnitt angesetzt wird.“ Schritt für Schritt arbeiten sie sich vor. Doch das ist riskant, denn der Körper steht unter Druck. „Man sieht, dass er ganz stark aufgebläht ist“, so Ritter. Beim Öffnen können Gase und Flüssigkeiten schlagartig entweichen. Im schlimmsten Fall fliegt sogar Gewebe durch die Luft.

Forscher müssen in den Körper des toten Wals steigen

Ist die Hülle geöffnet, beginnt die eigentliche Spurensuche – tief im Inneren des toten Tiers. „Bei der Obduktion muss man als Mensch schon in den Körper hereinsteigen“, erklärt Ritter. Nur so lassen sich Magen, Darm und die riesigen Organe untersuchen. Stück für Stück arbeiten sich die Experten dann bis zur Lunge und zum Herzen vor. Das liegt ganz tief in der Mitte verborgen und hat beim Buckelwal beeindruckende Maße: Es ist etwa so groß, „als wenn sich zwei Menschen umarmen“, beschreibt Ritter. Auch vom Herzen werden Gewebeproben genommen.

Konnte Timmy überhaupt noch fressen?

Besonders wichtig ist aber der Blick ins Maul. Finden sich dort Netze, Seile oder andere Fremdkörper, die da nicht hingehören und zu Timmys Tod geführt haben könnten? Hat sich der Wal dadurch verletzt und konnte er überhaupt noch fressen?

Was Fettschicht und Barten verraten

Parallel nehmen die Forscher Proben aus Organen wie Leber, Niere oder Magen. Sie suchen nach Parasiten, Krankheiten oder anderen Auffälligkeiten. Auch die Fettschicht wird untersucht – sie verrät, wie es um den Ernährungszustand des Tiers bestellt war. Selbst Knochen und Barten werden analysiert. Denn sie speichern Informationen über lange Zeiträume. „Das sind sehr interessante und wichtige Langzeitspeicher“, so Ritter. Hier lassen sich Hinweise auf Stress oder Umweltbelastungen finden.

Darum bleiben viele Fragen offen

Doch bei aller Präzision: Die große Antwort bleibt oft schwer greifbar. „Es wird sicher eine Menge möglich sein“, sagt Ritter. Aber eine eindeutige Todesursache? „Die ist in den seltensten Fällen zu bestimmen.“ Zu viele Faktoren spielen eine Rolle, zu viel Gewebe ist bereits zersetzt. Trotzdem ist die Obduktion entscheidend. Jeder Schnitt, jede Probe bringt ein Stück Wahrheit ans Licht.

Während die Experten im Inneren des Wals arbeiten, beobachten Presse und Zuschauer das Geschehen aus der Distanz. Absperrungen sichern den Bereich – denn diese Arbeit braucht Ruhe. „CSI: Timmy“ auf Anholt – ein spektakulärer Einsatz, bei dem Wissenschaftler versuchen, das letzte Kapitel eines gewaltigen Tiers zu verstehen, das wochenlang ganz Deutschland bewegte.

BILD wird die Obduktion von Buckelwal Timmy am Donnerstagnachmittag auf der dänischen Insel Anholt begleiten und für Sie direkt vor Ort berichten.

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