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„Weiß nicht, was ihn da reitet“ – Scharfe Kritik an Vorstoß von SPD-Politiker zur AfD

„Weiß nicht, was ihn da reitet“ – Scharfe Kritik an Vorstoß von SPD-Politiker zur AfD

Der ehemalige Ministerpräsident von Schleswig-Holstein, Torsten Albig (SPD), empfiehlt seiner Partei, mit der AfD zusammenzuarbeiten. So könne sich die SPD auf eine von der AfD tolerierte Minderheitsregierung einlassen. Das berichtet die „Neue Osnabrücker Zeitung“. Albig sagte demnach: „Wahrscheinlich wäre es sogar einfacher, wenn wie in Dänemark Sozialdemokraten die Ersten wären, die auch mit den Rechtspopulisten bei bestimmten Themen zusammenarbeiten, die unsere Wähler heute in deren Arme treiben.“

Für den 62-Jährigen sei etwa eine Zusammenarbeit der SPD mit der AfD in Mecklenburg-Vorpommern denkbar. Dort steht im September die Landtagswahl an. Manuela Schwesig möchte als Ministerpräsidentin wiedergewählt werden. Albig könne sich vorstellen, dass Schwesig nach der Wahl sage: „Ich suche mir meine Mehrheiten im Landtag je nach Thema.“ Ein Bündnis aller Parteien gegen die AfD sei dagegen kontraproduktiv für die Demokratie und lasse „nur noch frustrierte Wähler zurück“.

Weiter sagte er: „Wenn 30 Prozent diese Partei wählen, können wir nicht auf Dauer so tun, als wäre das die Ausgeburt der Hölle.“ Er befürchte, dass es die Sozialdemokratie in Deutschland bald nicht mehr geben werde, wenn die SPD ihren aktuellen Kurs fortsetze.

Eine Zusammenarbeit mit der AfD bedeute nicht, „dass wir das ideologische Gedankengut von Rechtspopulisten teilen“. Vielmehr gehe es darum, den verloren gegangenen Wählern zu zeigen, dass man sie verstanden habe. Ehemalige SPDler würden in die AfD eintreten. „Sicher nicht, weil die alle Nazis geworden sind, sondern weil sie bei uns etwas vermissen“, sagte Albig.

In der SPD stoßen die Aussagen von Albig auf Widerstand. Jochen Ott, Fraktionschef der SPD in NRW, sagte der „Bild“: „Ich weiß nicht, was ihn da reitet. Alles daran ist falsch und verheerend.“ Für Sozialdemokraten könne es keine Zusammenarbeit mit einer Partei geben, deren ideologischer Nachfolger die SPD verfolgt hätte.

Mecklenburg-Vorpommerns SPD-Fraktionschef Julian Barlen sagte: „Wer Lobbyist für Tabakkonzerne ist, hat offenbar kein Problem damit, für giftige Ideen zu werben.“ Sein Landesverband brauche keine Ratschläge von jemandem, der die Politik vor Jahren verlassen habe.

Auch bei der Berliner SPD stößt der Vorstoß von Albig auf wenig Gegenliebe. Steffen Krach, Spitzenkandidat für die Landtagswahl in Berlin, erklärte: „Die AfD steht im absoluten Widerspruch zu allem, wofür wir als SPD seit Jahrzehnten arbeiten.“ Es gebe keinen gemeinsamen Nenner zwischen seiner Partei und der AfD.

Von 2009 bis 2012 war Albig Oberbürgermeister von Kiel. Im Anschluss regierte er bis 2017 als Ministerpräsident in Schleswig-Holstein. Nach der verlorenen Landtagswahl 2017 wurde Daniel Günther (CDU) sein Amtsnachfolger. Albig zog sich daraufhin aus der Politik zurück. Seit 2023 ist er Cheflobbyist für den Tabakkonzern Philip Morris.

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