Erfurt – Jetzt ist die Machtfrage in der AfD geklärt. Seit Jahren ein Dauerthema zwischen den beiden Parteichefs Alice Weidel (47) und Tino Chrupalla (51). Beim Parteitag in Erfurt ist nun die Entscheidung gefallen: Weidel ist die AfD-Chefin, Chrupalla ihr Co-Vorsitzender. Weidel holte bei der Vorstandswahl knapp 83 Prozent der Stimmen – ihr bislang bestes Ergebnis als Parteichefin.
Chrupalla kassierte eine Klatsche: Er holte nur 70 Prozent – 13 Punkte weniger als noch vor zwei Jahren. Ein Fiasko mit Ansage: Sein Ansehen in der Partei – vor allem im Westen – litt wegen seines übertriebenen Putin-Kurses, seiner USA-Skepsis und der Überbetonung seines Ossi-Wahlkampfs. In der Partei wird ihm auch übelgenommen, dass er im laufenden Landtagswahlkampf in Mecklenburg-Vorpommern im April einen unabhängigen Kandidaten in Bergen (Rügen) unterstützt hatte – obwohl auch ein AfD-Politiker kandidierte. Delegierte werfen ihm auch eine Kampagne gegen Weidel bei der vergangenen Vorstandswahl 2024 vor. Und: Chrupalla kritisierte seine Parteikollegen in der innerparteilichen Affäre um Vetternwirtschaft. Zum Beispiel, als er sagte, es habe ein „Geschmäckle“, wenn AfDler ihre Verwandten einstellen.
Weidel baut ihr Netzwerk aus
Jetzt hat Chrupalla dafür die Quittung erhalten. Eine klare Machtverschiebung Richtung Weidel. Zuletzt intrigierte er dem Vernehmen nach ausgerechnet in seinem Heimatlandesverband Sachsen und versaute der dortigen Spitze das Wahlergebnis beim Landesparteitag.
Nicht nur bei der Wahl zeigt Weidel, wer das Sagen hat – auch intern baut sie ihr Netzwerk aus. Als Parteivize schaffte es ihr Verbündeter Sven Tritschler (44, NRW) in den Parteivorstand. Im Gegenzug flog Kay Gottschalk (60) aus dem Vorstand. Er gilt als umstritten, besonders das Weidel-Lager sieht ihn kritisch.
Auch auf die Parteijugend „Generation Deutschland“ (GD) kann sich Weidel verlassen. Der Parteinachwuchs gilt als Weidel-nah. Die GD will ihre Macht ausbauen, soll künftig in den wichtigsten Parteigremien sitzen. GD-Chef Jean-Pascal Hohm (28) zu BILD: „Wir wollen in den wichtigsten Gremien der Partei mitreden. Wir wollen mitbestimmen, da, wo Entscheidungen getroffen werden.“