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Außergewöhnliche Karriere in der SPD: Die starke Bärbel Bas kann nicht mehr

Außergewöhnliche Karriere in der SPD: Die starke Bärbel Bas kann nicht mehr
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Berlin – Manchmal sagt ein Mensch mit wenigen Worten mehr über sich, als tausend politische Reden erzählen können. Bärbel Bas hat das an diesem Montag getan. Die Bundesarbeitsministerin und SPD-Vorsitzende tritt zurück. Nicht nach einem verlorenen Machtkampf, nicht wegen eines politischen Skandals – sondern, weil sie trauert. Weil ihre Stieftochter gestorben ist. Weil sie nicht mehr die Kraft hat, weiterzumachen, als wäre nichts geschehen.

In ihrer Erklärung schreibt sie, dass sie „Zeit brauche, um die Trauer zu verarbeiten“. Und dass die öffentlichen Angriffe auf sie auch in dieser schweren Zeit weitergingen. Sogar aus den Reihen des Koalitionspartners. Es sind ungewöhnlich persönliche Worte einer Frau, die in ihrem Leben gelernt hat, sich durchzubeißen.

Bärbel Bas kennt das Leben außerhalb der politischen Glitzerwelt. Sie wurde 1968 in Duisburg-Walsum geboren. Der Vater war Busfahrer, die Mutter Hausfrau. Sechs Kinder, wenig Geld, eine Familie, in der niemandem etwas geschenkt wurde. Wenn sie neue Turnschuhe brauchte, musste sie im Sozialamt vorzeigen, dass die alten zu kaputt oder zu klein waren.

Bas arbeitete hart für ihre Karriere

Bas machte ihren Hauptschulabschluss. Ihr wurde damals gesagt, dass das Gymnasium für sie als Mädchen nicht infrage kommt. Ihre guten Noten? Egal. Sie wollte technische Zeichnerin werden, fand aber keinen Ausbildungsplatz. Stattdessen lernte sie Bürogehilfin bei der Duisburger Verkehrsgesellschaft. Später wurde sie Betriebsrätin, bildete sich weiter, studierte abends neben dem Beruf, arbeitete sich zur Personalchefin einer Krankenkasse hoch.

Ihr Weg führte sie in den Bundestag, 2021 sogar auf den Stuhl der Bundestagspräsidentin. Das zweithöchste Staatsamt Deutschlands. Eine Frau mit Hauptschulabschluss an der Spitze des Parlaments. Eine außergewöhnliche deutsche Aufstiegsgeschichte.

Aber der wichtigste Mensch an ihrer Seite konnte diesen Triumph nicht mehr erleben. 2020 verlor Bärbel Bas ihren Ehemann Siegfried Ambrosius. Er war 27 Jahre älter als sie. Nach einer Operation hatte er sich im Krankenhaus eine Infektion zugezogen. Wegen der Corona-Beschränkungen konnte Bas ihn lange nicht besuchen. Im August sprachen sie zum letzten Mal miteinander. Danach fiel er ins Koma. Am 22. September 2020 starb er.

In einer Talkshow öffnete sich Bas

Später erzählte Bas in einem Interview, dass sie das Amt der Bundestagspräsidentin nicht angenommen hätte, wenn ihr Mann noch gelebt hätte. Sie hätte ihn mit seiner Parkinson-Krankheit nicht allein lassen wollen in Duisburg.

Und es gibt noch eine kleine Geschichte, die viel über Bärbel Bas erzählt. Im Juni dieses Jahres berichtete sie in der Talkshow „Bembel & Gebabbel“ von einer Jacke ihres verstorbenen Mannes. Sie hängt bis heute an der Garderobe. Wenn sie nach Hause kommt, redet sie manchmal mit dieser Jacke. Erzählt, wie ihr Tag war. Wer sie geärgert hat. Was sie beschäftigt. Ein kleines, zärtliches Ritual, sechs Jahre nach seinem Tod.

Und jetzt musste Bärbel Bas schon wieder einen geliebten Menschen beerdigen. Ihre Stieftochter ist gestorben. Die Ministerin hat die an Krebs erkrankte Frau in den letzten Wochen ihres Lebens begleitet, dann zu Grabe getragen. Was der Verlust mit ihr macht, hat Bas selbst beschrieben. Sie braucht Zeit.

Arbeitgeber lachten Ministerin aus

Dabei hatte sie sich in den anderthalb Jahren als Ministerin politisch einiges zugemutet. Als Arbeitsministerin und SPD-Vorsitzende stand sie mitten in den Auseinandersetzungen um Bürgergeld, Rente und Sozialreformen.

Bas regte auf. Beim Arbeitgebertag wurde sie ausgelacht. Sie revanchierte sich, erklärte kurze Zeit später beim Juso-Kongress, nun zu wissen, „gegen wen wir eigentlich gemeinsam kämpfen müssen“. Schon lange hat kein SPD-Chef mehr eine solche Klassenkampf-Rhetorik gegen die Unternehmer benutzt.

Im Bundestag erklärt sie einem AfD-Abgeordneten: „Es wandert niemand in unsere Sozialsysteme ein.“ Sie hat danach selbst gemerkt, dass sie sich vergaloppiert hatte, ruderte nach harter Kritik aber nur halbherzig zurück. Auch mit Kanzler Friedrich Merz (70, CDU) legte sie sich an. Als er sagte, der Sozialstaat sei nicht mehr finanzierbar, schleuderte sie ihm ein „Bullshit“ entgegen. Danach haben sie sich bei Salat und Bier im Kanzleramt ausgesprochen.

In der Union war sie eine Reizfigur

Doch Bas blieb die Reizfigur für die Union. Der Vorwurf: Sie würde die Reformen bei Rente und Bürgergeld verzögern und verwässern. Am 11. September erklärte der CDU-Bundestagsabgeordnete Christian von Stetten (56), Vorsitzender des mächtigen Parlamentskreises Mittelstand, Bas sei als Ministerin nicht mehr tragbar.

Bas war da erst wenige Stunden vorher ins Ruhrgebiet aufgebrochen, zu ihrer Stieftochter. Was sie persönlich verletzt hat: Dass die Kritik danach mit unveränderter Härte weiterging, obwohl der Kanzler, die anderen Minister und die Fraktionsführung, so schildert es zumindest die SPD, wussten, was bei ihr privat los ist.

Der Kanzler sieht es anders. Er habe in den vergangenen drei Wochen, die für Bas besonders schwer gewesen seien, „von meiner eigenen Partei jede persönliche, auch christliche Rücksichtnahme auf sie eingefordert“. Und er könne nicht feststellen, dass die CDU in irgendeiner Weise dagegen verstoßen habe.

Wie viel Härte braucht die Politik?

Vielleicht führt ihr Rücktritt nun zu einer notwendigen Debatte darüber, wie viel Härte die Politik braucht. Wie viel Menschlichkeit sich die Politik bewahren muss. Auch aus ihrer eigenen Partei musste Bas im Sommer harte Kritik hören und den Ruf, Ministeramt und Parteivorsitz zu trennen. Das sind Angriffe, die ihre Spuren hinterlassen haben. Denn hinter jedem Ministeramt, hinter jeder Parteifunktion steht ein Mensch.

Bärbel Bas hat sich entschieden, jetzt zuerst Mensch sein zu dürfen. Nur ihr Bundestagsmandat als direkt gewählte Abgeordnete aus Duisburg behält sie. Sie selbst schreibt in ihrer Rücktrittserklärung: „Was bleibt, sind nicht die Ämter, die wir getragen haben, sondern Spuren, die wir in den Herzen der Menschen hinterlassen.“

Vielleicht braucht Bärbel Bas jetzt vor allem das, was ihr Leben so lange bestimmt hat: Menschen, die an ihrer Seite stehen. Nicht wegen ihres Amtes. Sondern wegen ihr.

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