Dortmund/Garching – Die Krise bei Hellweg und BayWa Bau & Garten geht in die entscheidende Phase. Nach der Insolvenz der Baumarkt-Ketten steht jetzt fest, welche Filialen eine Zukunft haben und wo die Schließung droht. Viele Mitarbeiter können hoffen, für viele andere wird es bitter.
Nach der Insolvenz von Hellweg und BayWa Bau & Garten im Juni stand früh fest, dass es eine Rettung des gesamten Filialnetzes nicht geben wird. 114 Märkte betreibt der Verbund. Jede einzelne Filiale stand zum Verkauf. Jetzt gibt es endlich eine Liste von Standorten, die von anderen Baumärkten aufgekauft werden.
Wie viele Baumärkte verkauft werden
Insgesamt 35 Filialen könnten demnach gerettet werden: 17 Standorte von BayWa Bau & Garten und 18 Hellweg-Märkte. Die jeweiligen Investoren sollten die Baumärkte samt den dort beschäftigten Mitarbeitern übernehmen. „Die Lösungen stehen teilweise noch unter dem Vorbehalt der kartellrechtlichen Freigabe oder einer finalen Einigung mit dem jeweiligen Vermieter“, sagt Thomas Feldmann, ein beauftragter Kommunikationsberater.
Obi schnappt sich mehrere Filialen
Das Interesse an Teilen des Filialnetzes ist groß. Obi gab bereits bekannt, fünf Standorte zu kaufen. Auch Bauhaus bietet in dem Insolvenzverfahren fleißig mit, wie die Lebensmittelzeitung schreibt. Die Obi-Gruppe übernimmt die Hellweg-Filialen Berlin-Tiergarten, Berlin-Yorckstraße und Münster-Gievenbeck sowie die BayWa-Märkte Nördlingen und Wolfratshausen.
Dort arbeiten etwa 250 Menschen, die zum 1. Dezember alle übernommen werden sollen. Nach Umbau und Modernisierung öffnen die Filialen voraussichtlich im März 2027 als Obi-Märkte wieder. Und Obi will noch mehr: Für sieben weitere Standorte sind die Heimwerker aus Wermelskirchen als bevorzugter Investor nominiert worden. Die Verhandlungen darüber laufen aktuell.
Für diese BayWa-Märkte geht es wohl weiter
- Backnang (Baden-Württemberg)
- Bad Tölz (Bayern)
- Bad Urach (Baden-Württemberg)
- Balingen (Baden-Württemberg)
- Burghausen (Bayern)
- Dillingen (Bayern)
- Grafenau (Bayern)
- Herrenberg (Baden-Württemberg)
- Murnau (Bayern)
- Nördlingen (Bayern)
- Pfarrkirchen (Bayern)
- Poing (Bayern)
- Schwabmünchen (Bayern)
- Viechtach (Bayern)
- Weil (Baden-Württemberg)
- Weinsberg (Baden-Württemberg)
- Wolfratshausen (Bayern)
Diese Hellweg-Standorte haben eine Zukunft
- Beckum (Nordrhein-Westfalen)
- Berlin-Tiergarten (Berlin)
- Berlin-Yorckstraße (Berlin)
- Brandenburg (Brandenburg)
- Dahlwitz-Hoppegarten (Brandenburg)
- Dorsten (Nordrhein-Westfalen)
- Dortmund-Hacheney (Nordrhein-Westfalen)
- Dortmund-Kley (Nordrhein-Westfalen)
- Essen-Borbeck (Nordrhein-Westfalen)
- Essen-Rellinghausen (Nordrhein-Westfalen)
- Falkensee (Brandenburg)
- Halberstadt (Sachsen-Anhalt)
- Iserlohn (Nordrhein-Westfalen)
- Mechernich (Nordrhein-Westfalen)
- Münster-Gievenbeck (Nordrhein-Westfalen)
- Potsdam (Brandenburg)
- Schmalkalden (Thüringen)
- Steinfurt (Nordrhein-Westfalen)
Co-Sanierungsgeschäftsführer Prof. Dr. Gerrit Hölzle sieht die Rettung von 35 Standorten als ersten Erfolg: „Unser vorrangiges Ziel war und ist es, möglichst viele Standorte und damit möglichst viele Arbeitsplätze zu erhalten.“
So viele Mitarbeiter wurden gekündigt
Doch die Liste der Märkte, für die es bisher keine Lösung gibt, ist deutlich länger. Für die dort beschäftigten Mitarbeiter wurden vorsorgliche Kündigungen ausgesprochen. Hier gibt es nur noch wenig Hoffnung. Betroffen sind etwa 4000 Mitarbeiter. Filialen, die am Ende nicht von Investoren übernommen werden, schließen bis Ende November 2026. Bis dahin läuft ein großer Abverkauf. 29 BayWa- und 50 Hellweg-Märkte könnten dichtmachen.
Auch die beiden Zentralen schließen
Besonders hart trifft die Sanierung die Beschäftigten in den Zentralen der Unternehmen. Die Standorte in Dortmund und Garching mit insgesamt 340 Mitarbeitern sollen geschlossen werden. Als Gründe für die Insolvenz nannte der Verbund unter anderem eine schwache Branche, zurückhaltende Kunden, steigende Mieten und Kosten durch die Inflation.