Politik

Bei „Hart aber fair“: Sänger von Feine Sahne Fischfilet über „nationalen Jammerlappen“

Bei „Hart aber fair“: Sänger von Feine Sahne Fischfilet über „nationalen Jammerlappen“
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O-Ton Ost satt! Fünf Tage vor der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt war Jan „Monchi“ Gorkow (38) bei Louis Klamroths (36) „Hart aber fair“ zu Gast. Der Sänger der Polit-Punkband Feine Sahne Fischfilet tunkte die AfD ganz im Stil seiner deftigen Texte tüchtig ein.

Der besondere Ärger des Musikers, der auch mit seinem Buch „Jenseits der Brandmauer“ die Charts stürmte: „Man darf nicht die ganze Zeit rumjammern! Was einen ankotzt, ist: Es gibt genug Probleme, aber keiner braucht so zu tun, als wenn wir jetzt in Bangladesch leben. Sondern wir sind alle hier in einem Paradies. Und wir haben ein Riesenglück gehabt, hier geboren zu sein – ob im Osten oder im Westen. Punkt!“ Dafür gab es kräftigen Applaus.

„Es gibt ganz viele Macher im Osten“

Über die auch im Wahlkampf wieder dick aufgetragene Kritik am Westen wetterte der Sänger: „Der Fokus ist immer auf das Negative! Meine Eltern haben mir immer erzählt, wie toll die Wende ist. Die haben sich selbständig gemacht. Meine Mutter hatte einen Betrieb mit neun Leuten, mein Vater hatte einen mit 30 Leuten. Es gibt ganz viele Macher im Osten. Da wird dann so getan, das sind alles Hinterwäldler. Nein! Es gibt viele Leute, auch in meinem Umfeld, die den Arsch hochbekommen, auch für demokratische Sachen!“ Auch dafür gab’s viel Beifall.

Allerdings, so der Musiker: „Früher haben die Leute den Kommunismus eingeprügelt gekriegt. Nach der Wende konnten sie ein bisschen Kapital aufbauen, und jetzt haben sie Angst, ihr Erbe zu verlieren. Es ist das erste Mal bei uns, dass Leute was vererben konnten.“ Über sein Heimatland Mecklenburg-Vorpommern urteilte Gorkow: „Wir sind eine übelst alternde Gesellschaft. Früher waren wir das jüngste Bundesland, jetzt sind wir das älteste. Dass da ganz viele Ängste sind – die habe ich punktuell auch. Ich habe aber keinen Bock, mich die ganze Zeit auf dieses Ost-West-Ding einzulassen. Mir geht dieses Gemecker hart auf den Sack. Wenn diese nationalen Jammerlappen so rumheulen, alles ist schlecht: Das ist unerträglich!“

Kopf einziehen ist keine Lösung

Über die hohen AfD-Umfragewerte in seiner Heimatstadt Jarmen bei Greifswald sagte der Sänger: „Ich gehe da nicht rum und denke, 54 Prozent der Leute sind alles Idioten und ich bin genial. Mein Vater hat jetzt mit seiner Rente einen Kulturverein aufgemacht. Die reißen sich da den Arsch auf. Wir haben vor drei Wochen groß einen Kreisverkehr gefeiert, mit 200 Leuten!“

„Ich freue mich, dass ich kein Politiker bin“, gestand der Sänger zum Schluss. „Ich würde mich sehr freuen, wenn die AfD von der Macht ferngehalten wird. Aber bei uns im Bundesland haben 719 von 724 Gemeinden die AfD zur stärksten Partei gemacht. Ich höre immer, die Brandmauer darf nicht fallen. Ich würde das auch gut finden. Aber ich lebe da, wo ich mich damit auseinandersetzen muss, wenn sie fällt. Wir können danach doch nicht den Kopf einziehen! Für die Parteien ist immer wichtig ‚vor den Wahlen‘, aber für die Leute ist wichtig ‚nach den Wahlen‘. Die schlechten Tage, die kommen sowieso, aber die guten, die muss man sich immer selber schaffen.“

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