Augsburg – Hennes Behrens (21) ist aktuell einer der rasantesten Aufsteiger in Fußball-Deutschland. Erst vor zwei Jahren schaffte der Verteidiger bei der TSG Hoffenheim den Durchbruch aus der Regionalliga-Mannschaft zu den Profis, wurde dann an den 1. FC Heidenheim ausgeliehen. Im Sommer dieses Jahres wechselte er für 3,5 Millionen Euro Ablöse zum FC Augsburg. Unter Trainer Manuel Baum (47) ist er dort auf der linken Seite gesetzt. Kürzlich berief ihn sogar Bundestrainer Jürgen Klopp (59) erstmals ins DFB-Team. Gegen Griechenland (0:1) feierte Behrens sein Debüt in der Nationalmannschaft.
Vor dem Duell seines FCA gegen die Bayern (Samstag, 15.30 Uhr/Sky, DAZN-Konferenz und hier im BILD-Liveticker) packt Behrens in BILD aus!
Behrens über sein DFB-Debüt
BILD: Haben Sie manchmal das Gefühl, Sie würden in einem schönen und endlosen Traum sein und nicht mehr aufwachen?
Hennes Behrens (21): Es ist natürlich sehr, sehr schön, dass ich nach wenigen Monaten beim FCA jetzt ein Länderspiel bestreiten durfte. Dafür bin ich extrem dankbar. Natürlich weiß ich aber auch, dass ich noch Potenzial habe und mich nicht darauf ausruhen darf.
Wie blicken Sie persönlich auf Ihr DFB-Debüt gegen Griechenland?
Es hat einfach extrem viel Spaß gemacht, gerade das Debüt hier zu Hause in Augsburg zu geben. Ich hatte auch einige Aktionen in der kurzen Zeit, auch wenn wir nach vorne nicht mehr so viel Druck entfachen konnten.
Was ist Ihr Eindruck vom neuen Nationalcoach Jürgen Klopp?
Er ist ein totaler Menschenfänger. Egal, ob man Startelfspieler oder Reservespieler ist, er gibt allen ein wirklich gutes Gefühl, bringt alle auf seine Seite, gibt einem Selbstvertrauen und Sicherheit.
Der Eindruck von der Woche mit der Nationalmannschaft scheint extrem positiv gewesen zu sein.
Ja! Die Kollegen haben mich alle super aufgenommen. Wir hatten neben dem Training relativ viel Zeit, um uns kennenzulernen. Der Campus in Herzogenaurach war cool. Das war wie ein kleines, kurzes Trainingslager. Bei mir war es so, dass ich viel mit Finn Dahmen unterwegs war und wir auch Uno gespielt haben.
An diesem Bayern-Profi orientiert sich Behrens
Von wem konnten Sie sich in der kurzen Zeit am meisten abschauen, wer hat Sie beeindruckt?
Als Florian Wirtz neu dazugekommen ist, hat man schon gesehen, der ist nicht ganz so schlecht.
Ist Wirtz quasi eine Art Vorbild für Sie, an dem Sie sich orientieren?
Mein Kindheitsvorbild war Philipp Lahm. Zuletzt habe ich Nathaniel Brown interessiert verfolgt, weil er auf einer ähnlichen Position spielt wie ich und einen ähnlichen Weg gemacht hat, nur etwas früher als ich. Ich hatte ihn vorher nicht wirklich gekannt und ihn jetzt in der einen Woche ein bisschen persönlich kennengelernt.
Behrens: So will ich Bayern-Superstar Olise stoppen
Am Samstag sehen Sie und Brown sich gleich wieder beim Spiel gegen den FC Bayern. Sind Sie schon nervös?
Nein, ich bin nicht aufgeregt. Es ist bei jedem von uns eine riesige Vorfreude da, wenn man gegen die Bayern spielt, weil sie einfach Weltstars sind. Für mich ist das eines der Highlights in der Saison.
Was ist euer Plan, um den Rekordmeister zu ärgern?
Wir versuchen, es den Bayern sehr schwer zu machen und wollen geschlossen als Team auftreten, alles bestmöglich wegverteidigen und nach vorne dann sehr effektiv sein.
Ihr Gegenspieler wird voraussichtlich Superstar Michael Olise sein. Wie wollen Sie ihn stoppen?
Ich werde versuchen, es ihm sehr schwer zu machen und ekelhaft zu sein. Bei ihm muss man einfach aufpassen, weil er gut im Eins-gegen-Eins ist und einen guten Schuss hat. Das geht aber sicher nicht alleine. Wir alle zusammen müssen als Mannschaft gut verteidigen und uns gegenseitig helfen.
Eine Ihrer Stärken sind Sprints und intensive Läufe. In dieser Saison haben Sie in vier Spielen schon 48 Kilometer zurückgelegt. Ihre Mutter ist Triathletin, Ihre Schwester ebenfalls. Gibt es in der Familie Behrens nur Laufmonster?
Natürlich ist mir die Ausdauer ein bisschen in die Wiege gelegt worden, und ab und zu musste ich auch bei meiner Schwester mitlaufen.
Jule ist erfolgreiche Triathletin, wurde vor Kurzem bei den U23-Weltmeisterschaften Sechste. Wie ist euer Austausch?
Ich kann vor allem viel von meiner Schwester lernen. Meine Mutter und meine Schwester haben sich vielleicht noch mehr über mein DFB-Debüt gefreut als ich. Jule hat mich gleich nach dem Spiel angerufen. Sie hat sich extrem für mich gefreut.
Das sagt Behrens über Trainer Baum
Sie sind jetzt seit zwei Monaten in Augsburg. Fühlen Sie sich schon wie ein Augsburger?
Ich fühle mich beim FCA unheimlich wohl, weil wir eine sehr gute Teamgemeinschaft haben. Das ist sicherlich auch ein Baustein, dass ich die Chance in der Nationalmannschaft erhalten habe. Aber wie ein echter Augsburger kann ich mich noch nicht fühlen, weil ich mich in der Stadt noch nicht gut genug auskenne und ja noch nicht so lange da bin.
Was zeichnet Ihren Trainer Manuel Baum aus?
Er vertraut uns Spielern auf dem Platz. Das heißt, dass wir auch eigene Entscheidungen treffen können.
Aber er legt auch viel Wert auf kulturelle Werte, die er vorlebt …
Ja. Es gibt klare Regeln. Wenn zum Beispiel mal jemand zu spät kommt, wird es angesprochen und jeder noch einmal sensibilisiert. Das ist gut so.
Haben Sie in der Mannschaft schon einen besten Kumpel gefunden?
Ich habe nicht den einen Kumpel, ich verstehe mich mit vielen gut. Beispielsweise mit Noahkai Banks, Mert Kömür, Faik Sakar, Robin Fellhauer, Jannik Keitel, Michael Gregoritsch, Finn Dahmen und Arijon Ibrahimovic.
Apropos Ibrahimovic, der vom FC Bayern kam. Was bringt er für eine Qualität mit?
Er ist ein Spieler mit Mentalität, kann viel laufen und Druck machen, gleichzeitig aber auch verteidigen. Mit dem Ball ist er gut im Eins-gegen-Eins sowie vor dem Tor. Er hat einen guten Input für uns als Mannschaft.
Wo findet man Sie mit Ihren Kumpels häufiger in Augsburg?
Finn hat mir zuletzt das Café Nene gezeigt. Dort waren wir häufiger und haben Uno oder Carbo gespielt. Abends laden wir uns ab und zu gegenseitig zum Essen und gemeinsamen Kochen ein.
Kochen Sie selbst gerne?
Ich bin nicht der beste Koch, aber ich bekomme etwas hin. Ich koche eher gesund als lecker.
Sie sind insgesamt sehr diszipliniert, oder?
Ich bin nicht ultra-diszipliniert. Ab und zu esse ich mal etwas Süßes. Es ist aber extrem wichtig, dass man sich gut ernährt. Dann kann man im Spiel mehr laufen und bessere Entscheidungen treffen.
Zum Abschluss: Was sind Ihre nächsten Ziele?
Bayern schlagen, weil es das nächste Spiel ist.
Und ein wenig mehr in die Zukunft gedacht?
Ein richtiges Ziel festmachen mag ich nicht. Wenn ich mich weiterentwickle, werden die Ziele auch von alleine kommen. Der erste Schritt wäre jetzt gegen Bayern München. Darüber hinaus wäre es natürlich schön, wenn ich in den nächsten Jahren weiterhin bei der Nationalmannschaft dabei wäre und noch ein paar mehr Spiele machen kann. Aber letztendlich finde ich es wichtig, dass man im Hier und Jetzt bleibt. Dann bleibt man auf dem Boden.