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Einbürgerung auf der „Gorch Fock“: Nachfahren von NS-Opfern wollen Deutsche werden

Einbürgerung auf der „Gorch Fock“: Nachfahren von NS-Opfern wollen Deutsche werden
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New York – Es ist ein Satz, der unter die Haut geht: „Wir kommen nicht dazu – wir kommen zurück.“ Carolyn Oliner hält ihre deutsche Einbürgerungsurkunde auf der „Gorch Fock“ im Hafen von New York in den Händen. Um ihren Hals trägt sie eine Brosche mit einer Rose – das letzte Erinnerungsstück an ihre Großmutter Charlotte Michel.

Die Jüdin Charlotte aus dem rheinland-pfälzischen Andernach hatte ihren Schmuck Ende der 1930er Jahre in die USA geschickt. Sie selbst wollte vor den Nazis nach Amerika fliehen. Doch sie schaffte es nie. Charlotte Michel wurde 1942 in Auschwitz ermordet.

Suche nach einer neuen Verbindung

84 Jahre später nimmt ihre Enkelin Carolyn auf der im Hafen von New York liegenden „Gorch Fock“ die deutsche Staatsangehörigkeit an. Ihren Großeltern und ihrer Mutter war sie während der NS-Zeit entzogen worden. „Seit ich geboren wurde, habe ich Geschichten über Deutschland gehört, über den Verlust und die fehlende Verbindung. Jetzt und heute bin ich wieder damit verbunden“, sagt Oliner.

Sie ist eine von immer mehr Nachfahren von NS-Verfolgten, die einen deutschen Pass beantragen. Die Zahlen steigen deutlich: 2022 registrierte das deutsche Konsulat in New York 734 Anträge auf Einbürgerung. 2024 waren es 1357, 2025 bereits 1771.

Schmerzhafte Spurensuche

Die Einbürgerung gilt als Wiedergutmachung für Menschen, deren Familien durch die Nationalsozialisten die deutsche Staatsangehörigkeit verloren haben. Der Weg dorthin ist für viele Antragsteller schmerzhaft. Sie müssen ihre Familiengeschichte mit Dokumenten belegen und sich mit all den Verbrechen, die ihren Familien angetan wurden, auseinandersetzen. „Es war auch ernüchternd, auf die Sterbeurkunde meines Großvaters aus Auschwitz zu stoßen“, sagt Carolyn Oliner.

Auch Eugene Wolff ließ sich einbürgern. Zwei Jahre lang suchte er Dokumente aus Köln und Polen zusammen. Sein Großvater war in den 1930er Jahren vor den Nazis geflohen. „Es ist eine schöne Art, an meinen Großvater zu erinnern“, sagt Wolff. Außerdem erleichtere der deutsche Pass Reisen nach Europa.

Naomi Huth erzählt, ihre Großmutter hätte die Annahme der deutschen Staatsangehörigkeit wohl nicht verstanden. Für sie selbst sei sie ein Zeichen der Verbundenheit mit ihren Wurzeln.

Karen Adler sieht das ähnlich. Die Einbürgerung bedeute für sie eine „Wiederverbindung mit meinen deutschen Wurzeln“. Es gebe aber auch praktische Gründe. Mit Blick auf die politische Lage in den USA sagt sie: „Wir sind nicht begeistert von dem, was in den Vereinigten Staaten vor sich geht.“

Der Zahl der Anträge steigt seit der Wiederwahl von Donald Trump. Zudem zeigen Umfragen, dass sich viele jüdische Amerikaner heute in den USA weniger sicher fühlen als noch vor einigen Jahren. Für manche ist der deutsche Pass deshalb auch eine Absicherung für die Zukunft. Hinzu kommt eine Gesetzesänderung von 2021. Sie hat den Kreis der Anspruchsberechtigten deutlich erweitert. Seitdem können mehr Nachfahren von NS-Verfolgten die deutsche Staatsangehörigkeit erhalten.

Hoffnung auf Versöhnung

Vor der Übergabe der Urkunden spricht der Kapitän der „Gorch Fock“ von einem „Moment der Würde und der Versöhnung“. Für Carolyn Oliner ist die Annahme der deutschen Staatsbürgerschaft mehr als ein Verwaltungsakt. Sie ist die Rückkehr zu einem Teil ihrer Familiengeschichte, den die Nazis gewaltsam ausgelöscht hatten. In ihrer Tasche trägt sie an diesem Tag ein gerahmtes Hochzeitsfoto ihrer Großeltern aus Andernach. Und die Brosche ihrer Großmutter erinnert daran, warum dieser Moment für sie so besonders ist.

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