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Jeffrey Epstein: Influencer pilgern trotz Verbot und Klagen zu Insel Little St. James

Jeffrey Epstein: Influencer pilgern trotz Verbot und Klagen zu Insel Little St. James
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New York – Die Insel Little St. James ist Teil der US-amerikanischen Jungferninseln in der Karibik. Zu trauriger Berühmtheit kam sie, weil auf der Insel nach Aussagen von Opfern des Sexualstraftäters Jeffrey Epstein (†66) Vergewaltigungen stattfanden. Heute lockt Little St. James Verschwörungstheoretiker und Influencer auf der Jagd nach Klicks an. „Business Insider“ (gehört wie BILD zu Axel Springer) hat Gerichtsunterlagen ausgewertet und mit Beteiligten gesprochen. Die Recherche zeigt, wie Jeffrey Epsteins Privatinsel zum gefährlichen Schauplatz für YouTuber wurde. Neun Influencer und Content-Creator wurden inzwischen verklagt.

Milliardär Stephen Deckoff (60) kaufte Little St. James und die Nachbarinsel Great St. James 2023 für 60 Millionen Dollar. Sein Plan: ein Luxusresort. Gebaut wurde fast nichts. Heute paddeln immer wieder unerwünschte Besucher mit Kajaks heran, fahren mit Jetskis vor, filmen Gebäude und hissen Banner mit der Aufschrift „Release the Files“ („veröffentlicht die Akten“). Manche wollen angebliche Tunnel finden. Andere behaupten sogar, Epstein könne noch leben.

Der verstorbene Sexualstraftäter hatte auf Little St. James eine weitläufige Anlage errichtet. Mutmaßliche Opfer berichteten, sie hätten sich dort gefangen gefühlt und seien von Epstein vergewaltigt worden. Das tempelartige Gebäude wurde zum Zentrum zahlreicher Verschwörungstheorien.

Youtuber paddeln durch einen Hurrikan

Im August 2025 machten sich YouTuber Andrew Petersen und fünf Begleiter während des Hurrikans Erin von St. Thomas auf den Weg zur Insel. Für die Überfahrt hatten sie zunächst Luftmatratzen und Poolnudeln erwogen. Schließlich nahmen sie Kajaks. Die Gruppe durchsuchte Räume und erkundete den sogenannten Tempel. Tunnel fand sie nicht. Am nächsten Morgen befestigten die Eindringlinge ein „Release the Files“-Banner und paddelten davon.

Petersen räumte gegenüber Business Insider ein: „Hausfriedensbruch ist illegal, und wir haben definitiv Hausfriedensbruch begangen.“ Zugleich nannte er es absurd, dass ihm Konsequenzen drohten, während aus seiner Sicht nicht gegen mögliche Täter aus Epsteins Umfeld vorgegangen werde.

Influencer endet gefesselt auf einem Boot

Am 1. März näherten sich die YouTuber-Brüder Eloi und Marcel Gil Sancho auf gemieteten Jetskis der Insel. Als eine Drohne am Strand landete, schwamm Marcel an Land, um sie zu holen. Nach Aussage seines Bruders fing Inselverwalterin Ann Rodriguez die beiden mit einem Boot ab. Sie soll eine vermeintliche Pistole auf Marcel gerichtet und gedroht haben, beide zu töten.

Ein Mitglied der Küstenwache fand Eloi laut Gerichtsunterlagen nackt und an Händen und Füßen gefesselt auf dem Boot. Rodriguez soll außerdem Speicherkarten mit Drohnenaufnahmen ins Meer geworfen haben. Die Staatsanwaltschaft klagte sie wegen Freiheitsberaubung, Körperverletzung und Sachbeschädigung an. Sie lehnte eine Stellungnahme ab.

Wenige Wochen später betraten Benjamin Owen und Ryan Dalton die Insel. Dalton betreibt eine Crowdfundingkampagne, die beweisen soll, dass Epstein noch lebt. Als Inselmitarbeiter auf Quads heranfuhren, flohen beide ins Wasser. Dalton entkam, Owen wurde festgehalten und nach eigenen Angaben mit Kabelbindern und Klebeband gefesselt. Eine Beteiligte erklärte später, sie habe eine „Festnahme durch eine Privatperson“ vorgenommen.

Milliardär klagt gegen Influencer

Die Holdinggesellschaft LSJVI von Milliardär Deckoff hat bis heute mehrere Eindringlinge verklagt. Sie fordert unter anderem die Herausgabe der Einnahmen aus den Videos. Ein Sprecher Deckoffs sagte Business Insider, die Eindringlinge gefährdeten die Menschen, die auf der Insel lebten und arbeiteten. Deckoff werde alle rechtlichen Möglichkeiten ausschöpfen – besonders gegen YouTuber und Personen, die ihren Hausfriedensbruch filmten und damit Geld verdienten. Petersens Gruppe erklärte, bereits 30.000 Dollar an die Organisation Polaris gespendet zu haben, die gegen Menschenhandel kämpft.

Die Insel dürfte trotzdem weitere selbst ernannte Wahrheitssucher anziehen. Ryan Dalton wirft der US-Regierung vor, ihre Pflicht zu vernachlässigen. Sie müsse aufklären, was auf der Insel geschehen sei, und Beteiligte strafrechtlich verfolgen. Seine Prognose: Solange das nicht geschehe, würden Menschen weiter nach Little St. James fahren – und die Wahrheit selbst suchen.

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