Palermo – Dieser Moment hat sein Leben dramatisch verändert. Im April war Jonathan Klinsmann (29), Torwart beim italienischen Zweitligisten Cesena FC, beim Spiel gegen US Palermo (0:2) mit dem gegnerischen Mittelfeldspieler Filippo Ranocchia (25) übel zusammengeprallt, brach sich dabei einen Halswirbel. Mit „The Athletic“ spricht der Sohn von Ex-Bundestrainer Jürgen Klinsmann (62) nun erstmals über die Horror-Verletzung.
Klinsmann: „Ich ging zu Boden und saß dort eine Sekunde und dachte: ‚Uff, das hat wehgetan.‘ Dann rollte ich mich auf den Rücken und spürte, wie sich mein Nacken plötzlich richtig verkrampfte. Es war wie bei einem Autounfall.“ Zunächst hielt der Torwart die Verletzung für eine Gehirnerschütterung oder ein Schleudertrauma. Seine Kopfhaut war aufgerissen, in den Ohren klingelte es.
Als er wieder aufstand, wurde sein Nacken immer steifer. Klinsmann konnte den Kopf kaum noch bewegen. Er sagt: „Ich sagte meinen Innenverteidigern, sie sollten den Ball einfach behalten. Dann versuchte ich, so still wie möglich zu stehen.“
„Nicht sicher, ob ich das überlebt hätte“
Was er damals nicht wusste: Jede falsche Bewegung hätte die Verletzung noch viel schlimmer machen können. Klinsmann: „Ich weiß nicht, ob ich das überlebt hätte.“ Und weiter: „Es war großes Glück. Ich war nur zwei Minuten davon entfernt, dass es in eine viel, viel schlimmere Richtung hätte gehen können: dass ich nie wieder Fußball spiele, nie wieder laufen kann. Es war also schlimm – aber es hätte unfassbar viel schlimmer kommen können.“
Klinsmann hatte sich beim Zusammenprall nicht nur am Kopf verletzt. Er hatte sich den ersten Halswirbel gebrochen und schwere Schäden an den Bändern im Nacken erlitten – und entging damit nur knapp einer möglichen Lähmung.
Operation in Heidelberg
Nach dem Spiel wurde er ins Krankenhaus nach Palermo gefahren. Am folgenden Tag entschied Klinsmann mit seinem Vater und seinen Beratern, dass eine Behandlung im deutschen Heidelberg die beste Option sei. Klinsmann: „Als ich die Augen wieder öffnete, fragte ich sofort, wie die Operation gelaufen war. Der Arzt fragte mich, wie ich mich fühlte, aber ich wollte nur wissen, ob sie erfolgreich gewesen war.“ Alles war wieder an seinen Platz gebracht worden. Wenige Tage später begann er bereits wieder, vorsichtig zu laufen.
Sein großer Traum war zu diesem Zeitpunkt allerdings schon geplatzt: die WM mit den USA. Im vergangenen August war Klinsmann erstmals für die Nationalmannschaft nominiert worden und hatte auf einen Platz im Team von Mauricio Pochettino gehofft.
Wann er wieder Fußball spielen kann, ist noch offen. Eine Rückkehr in dieser Saison gilt als unwahrscheinlich, aktuell wird mit einem Comeback 2027/28 gerechnet. Klinsmann kann damit leben: „Dieses Gefühl der Enttäuschung und Wut ist winzig im Vergleich dazu, wie glücklich ich bin, hier zu sein und laufen zu können.“