Wahre Größe wird nicht in Zentimetern gemessen: Die deutschen Nationalmannschaften der kleinwüchsigen Athleten haben Goldmedaillen und Weltmeistertitel gewonnen. Doch jetzt stehen die Spitzensportler vor ihrer bislang größten Herausforderung: Sie kämpfen um ihren WM-Traum, um ihre sportliche Zukunft.
2027 möchten die Athleten bei den World Dwarf Games in Australien erneut antreten und ihre Titel verteidigen. Ob dieser Traum Wirklichkeit wird, ist ungewiss. Nicht der Wille fehlt, nicht das Talent. Es gibt schlicht kein Geld dafür!
Weltmeistertitel im Fußball und Volleyball
Bei den Spielen kämpfen die Deutschen in den Disziplinen Fußball, Basketball, Leichtathletik, Boccia, Badminton, Schwimmen, Gewichtheben und Bogenschießen. Organisiert sind die Athleten im Bundesverband Kleinwüchsiger Menschen und ihrer Familien (BKMF e.V.).
Die deutsche Bilanz kann sich sehen lassen: zweifacher Weltmeister im Herrenfußball, Vize-Weltmeister im Damenfußball sowie Weltmeistertitel bei den Junioren und im Volleyball.
Spendenaktion soll Sportler unterstützen
Die Athleten arbeiten in normalen Jobs, investieren ihr eigenes Geld in den Leistungssport. Unterstützung wie bei Profisportlern? Fehlanzeige. „Behindertensport abseits der Paralympics fällt oft durchs Förderraster“, sagt BKMF-Sprecher Michel Arriens.
Die Kosten sind enorm: Für Flug, Unterkunft und Verpflegung sind pro Sportler 6000 Euro nötig. Jonathan Vaupel, Leiter des Deutschen Kleinwuchssports: „Unser Ziel ist es, mit 50 Sportlern anzutreten. Dazu kommen Trainer, Betreuer und Begleitpersonen. Das sind rund 150 Personen.“
Um die Reise nach Australien möglich zu machen, hat der Verband die Spendenkampagne „Fit für 2027 – Mission Titelverteidigung“ ins Leben gerufen.
„Wir suchen immer noch einen Sponsor, der uns hilft“
Die World Dwarf Games sind die einzige internationale Veranstaltung, bei der sich kleinwüchsige Athleten aus aller Welt messen können. Das Sportereignis wird nicht gefördert, es besteht nur eine Partnerschaft mit Adidas als Ausrüster. Deshalb braucht der Verband Hilfe. Vaupel: „Klar suchen wir Unternehmen, die uns auf unserem Weg nach Australien unterstützen“, sagt Vaupel. „Aber ich muss ehrlich sein: Die bisherigen Rückmeldungen sind eher ernüchternd. Wir suchen immer noch einen Sponsor, der uns hilft.“
Der wahre Wert dieser Spiele lässt sich nicht in Gold, Silber oder Bronze messen. Wer an den World Dwarf Games teilnimmt, gewinnt oft etwas viel Wichtigeres. „Man kommt als anderer Mensch zurück“, sagt Vaupel. „Diese Erfahrung gibt einem einen enormen Selbstwert-Boost. Man erkennt: Ich kann etwas, ich habe etwas erreicht.“