Wirtschaft

Ostdeutschland gehen ohne Zuwanderung die Arbeitskräfte aus, warnen IW-Forscher

Ostdeutschland gehen ohne Zuwanderung die Arbeitskräfte aus, warnen IW-Forscher

Den ostdeutschen Flächenländern droht einer Studie zufolge ohne Zuwanderung ein drastischer Schwund der ⁠Bevölkerung im erwerbsfähigen Alter. Ohne Migration würde die Zahl der potenziellen Arbeitskräfte in diesen Bundesländern bis zum Jahr 2035 um mehr als ein Achtel sinken, bis 2045 sogar um gut ein Fünftel.

Das geht ⁠aus Berechnungen des arbeitgebernahen Instituts der deutschen Wirtschaft Köln (IW) hervor, die der Nachrichtenagentur Reuters am Freitag vorab vorlagen. „Damit ‌dürfte sich die Situation der Wirtschaft, insbesondere ​auch bei der Versorgung mit Dienstleistungen, ‌kaum erhalten lassen“, schreiben die IW-Ökonomen Philipp Deschermeier und Wido Geis-Thöne.

Der Studie zufolge ​ist die demografische Krise im Osten bereits weit fortgeschritten. Die Zahl der Menschen im erwerbsfähigen Alter zwischen 15 und ​66 Jahren sank in den ostdeutschen Flächenländern zwischen Ende 1995 und Ende 2025 von 10,05 Millionen auf 7,74 Millionen. Dies ist ein Rückgang um 23 Prozent. Gleichzeitig nahm die ​Zahl der Menschen ab 67 Jahren stark zu: von 1,82 auf 3,06 Millionen. Der Anteil der Erwerbsfähigen an der Gesamtbevölkerung fiel ‌zugleich von 70,9 auf 62,7 Prozent.

Dieser Entwicklung wirkte in den vergangenen Jahren die Zuwanderung entgegen. Nach einer langen Phase der Abwanderung nach der Wiedervereinigung verzeichnen die ostdeutschen Länder laut IW seit 2012 wieder Wanderungsgewinne. Die Zahl der 15- bis 66-jährigen Ausländer stieg demnach von 265.000 im Jahr 2010 auf 765.000 Ende 2025. Ihr Anteil an der Bevölkerung im erwerbsfähigen Alter wuchs in dieser Zeit von 3,1 auf 9,9 Prozent.

Würde die ⁠Migration gestoppt, dürfte die Bevölkerung im Alter zwischen 15 und 66 Jahren in den ostdeutschen Flächenländern bereits bis 2035 um 13,0 Prozent auf 6,78 Millionen zurückgehen. Ihr Bevölkerungsanteil ‌läge dann noch bei 59,7 Prozent. Bei einer Erwerbstätigenquote von aktuell 75,9 Prozent wären dann bereits nur noch 45,3 Prozent der ‌Bevölkerung erwerbstätig.

„Mit dem technischen Fortschritt, insbesondere im Bereich der Künstlichen Intelligenz, könnten in der kommenden Zeit ‌in größerem Maß Tätigkeiten automatisiert werden, für ⁠die bislang menschliche ⁠Arbeitskräfte benötigt wurden“, betonen Deschermeier und Geis-Thöne. „Dennoch dürfte es auch in zehn bis 20 ‌Jahren für die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit einer Region noch sehr problematisch ​sein, wenn weit weniger als die Hälfte der Bevölkerung am Arbeitsmarkt aktiv ist.“

Dienstleister gesucht

Insbesondere gelte das für Dienstleistungen im medizinischen, pflegerischen und handwerklichen ​Bereich, die ​sich nur schwer automatisieren ließen. Die Studie warnt vor einem Teufelskreis, sollte Zuwanderung ausbleiben. Eine alternde Bevölkerung und eine schlechtere Versorgung mit Dienstleistungen ⁠könnten die Regionen für jüngere Menschen unattraktiver machen. Dies könne wiederum zu mehr Abwanderung und weniger Zuzug führen.

Das Thema Zuwanderung spielt im aktuellen Landtagswahlkampf in Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern eine große Rolle. Die AfD liegt in beiden ​Bundesländern in den Meinungsumfragen vorn. Sie tritt für eine Verschärfung der Einwanderungspolitik sowie für Rückführungsprogramme ein.

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