Wolfsburg – Einkommens-Schock für Hunderttausende Mitarbeiter! Volkswagen plant offenbar den nächsten drastischen Sparkurs: Der Autoriese will die Gehälter vieler Beschäftigter weltweit bis 2030 einfrieren. Für die Mitarbeiter könnte das einen realen Einkommensverlust von rund zehn Prozent bedeuten.
Interne Unterlagen für das weltweite Top-Management, die der „Süddeutschen Zeitung“ vorliegen, lassen aufhorchen. Unter dem Schlagwort „Pay freeze until 2030“ ist demnach vorgesehen, Gehaltserhöhungen bis zum Beginn des neuen Jahrzehnts auszusetzen. Ein Sprecher erklärte auf Anfrage: Man äußere sich nicht zu „solchen Spekulationen“.
Steigen die allgemeinen Preise weiter, verlieren die Beschäftigten trotz gleichbleibender Gehälter spürbar an Kaufkraft. Konjunkturforscher erwarten für dieses und nächstes Jahr Preissteigerungen von rund drei Prozent. Über mehrere Jahre könnte sich der Einkommensverlust auf bis zu zehn Prozent summieren – oder sogar noch höher ausfallen.
Bereits beim Sparpaket 2024 hatten die rund 130.000 Beschäftigten unter dem VW-Haustarifvertrag vorerst auf eine vereinbarte Lohnerhöhung von 5,5 Prozent verzichtet. Eine weitere Nullrunde würde die Belegschaft hart treffen.
Dabei steht Volkswagen ohnehin unter massivem Druck: US-Zölle, das schwächelnde China-Geschäft sowie Probleme bei den Konzerntöchtern Audi und Porsche setzen dem Autobauer zu. Konzernchef Oliver Blume (58) will deshalb die gesamte Gruppe neu aufstellen. Die Pläne haben es in sich: Trotz des bereits beschlossenen Stellenabbaus könnten weltweit weitere Zehntausende Jobs wegfallen. Zudem stehen vier Werke auf der Kippe – Emden, Hannover, Zwickau und das Audi-Werk in Neckarsulm. Ende September wurde außerdem bekannt, dass VW fast alle Tarifverträge kündigt. Damit stehen auch Zulagen und zusätzliche Vergütungen auf dem Spiel.
Betriebsrat rechnet mit der Konzernspitze ab
Beim Weltkonzernbetriebsrat sorgt der mögliche Gehaltsstopp für massive Empörung. Ein Sprecher kritisiert die Pläne scharf: „Ganz offensichtlich glaubt die Unternehmensspitze allen Ernstes daran, dass der zweitgrößte Autohersteller der Welt mit allein 111 Produktionsstätten auf diesem Erdball per Chef-Dekret aus Wolfsburg Hunderttausenden Beschäftigten jahrelang Reallohnverluste verordnen könnte.“
Auch die Gewerkschaft IG Metall stellt sich auf Konfrontation ein. In der beginnenden Tarifrunde fordert sie fünf Prozent mehr Geld – sowohl für die VW-Beschäftigten als auch für die Metallindustrie insgesamt. Der Konflikt könnte bald eskalieren. In der Metallbranche sind von November an Streiks möglich, bei Volkswagen von Januar an.