Haben sie den Schuss jetzt wirklich gehört? Unionsfraktionschef Thorsten Frei (53, CDU) und Ex-Gesundheitsminister Karl Lauterbach (63, SPD) haben bei Maybrit Illner (61) auf die bedrohlichen Wahlerfolge von AfD und Linkspartei mit einem Mix aus Beruhigungspillen, Durchhalteparolen und Zweckoptimismus reagiert. Ihre gemeinsame Ansage im Stil von „Wir schaffen das“: Die Koalition werde nicht nur zusammenhalten, sondern bald auch die nötigen Lösungen liefern.
Illner grätscht bei Lauterbach dazwischen
„Wir müssen uns zusammenreißen“, forderte Lauterbach energisch, „auch bei allem Konflikt, der heute Abend hier ausgetragen wird.“ Allerdings, so der SPD-Politiker dann gleich in Richtung der Kritiker, die aufs Tempo drücken: „Bei riesigen Reformen, die über zehn, 15 Jahre wirken, auf zwei Wochen zu pochen, das halte ich für falsch.“ Das aber provozierte sofort einen Einspruch von Illner: „Sie haben ja schon anderthalb Jahre“, tadelte die Talkmasterin streng, „Sie haben ja schon im letzten Jahr einen Herbst der Reformen angekündigt!“
Frei: „Haben den Willen, das Land zu reformieren“
Frei zog viel Optimismus aus guten Erfahrungen: „Wir sind in unterschiedlichen Parteien und dass Sozialdemokraten einen anderen Blick auf die Wirklichkeit als Christdemokraten haben, ist in Ordnung“, analysierte er milde. „Wir haben in der Geschichte unseres Landes häufig miteinander koaliert, es waren häufig auch sehr gute Koalitionen.“ Allerdings, so der Fraktionschef sichtlich besorgt, seien die Regierungsparteien „durch die Wahlergebnisse und Umfragen in einem sehr, sehr schwierigen Zustand“. Freis Versprechen: „Trotzdem wissen wir um die Größe der Aufgabe und haben den Willen, das Land zu reformieren und nach vorne zu bringen.“
„Ich stimme Herrn Frei zu“, assistierte Lauterbach überraschend umstandslos. „Wir sind jetzt in einer kritischen Phase, und wir werden die Reformen nachher gut hinbekommen. Auch im Konsens. In den nächsten Wochen. Wir arbeiten derzeit unsere Strategie aus. Wir werden uns bei Rente, bei Pflege und auch bei der Arbeitsmarktreform einigen.“ Dennoch, so der Ex-Minister vorsichtig: „Ich warne davor, dass man jeden Streit in der Sache sofort zu einem Koalitionsbruch hochstilisiert. Das ist falsch. Wir müssen uns in der Sache streiten dürfen!“
Illner hakt bei Kanzler-Frage nach
„Wir haben sehr viel umgesetzt“, lobte Frei, fügte aber hinzu: „Richtig ist auch, dass das noch nicht dazu geführt hat, dass wir wirklich ein nachhaltiges, sich selbst tragendes Wachstum haben. Deswegen müssen wir weiterarbeiten mit hoher Geschwindigkeit und viel Konsequenz. Und ich bin sicher, dass wir das gemeinsam hinkriegen.“
Illner blieb skeptisch: „Auch atmosphärisch?“, bohrte sie nach. „Dass Sie sich gegenseitig tragen, und auch den Kanzler tragen?“ Frei mit voller Überzeugung: „Eindeutig ja!“ Lauterbach bestätigend: „Ich sehe das genauso.“ Frei gleich noch einmal mit Schmackes: „Zwischen den Koalitionären funktioniert es. Davon bin ich überzeugt.“ Und Lauterbach pflichtete prompt bei: „Das glaube ich auch.“