Kiew – Schwere Gefechte im Osten der Ukraine. Während Kiew immer häufiger Raffinerien und Logistikzentren in Russland zerstört, verschlechtert sich die Lage im eigenen Land weiter. Russlands Armee setzt die letzten großen ukrainischen Verteidigungsstellungen im Donbas massiv unter Druck.
Im Fokus steht der Festungsgürtel von Kramatorsk und Slowjansk. Die Städte bilden das Herzstück der ukrainischen Verteidigung in der Region Donezk im Donbas. Seit 2014 hat die Ukraine dort Stellungen, Panzersperren und militärische Infrastruktur aufgebaut, um einen russischen Vormarsch zu stoppen. Der Verteidigungsgürtel zieht sich über rund 50 Kilometer bis nach Druschkiwka und Kostjantyniwka im Süden.
Jetzt rückt die Front immer näher heran. Je nach Frontabschnitt sind russische Truppen nur noch 10 bis 20 Kilometer entfernt. Kramatorsk steht inzwischen nahezu täglich unter Beschuss. Die Lage ist so ernst, dass die Behörden jetzt 525 Kinder aus besonders gefährdeten Stadtteilen und Vororten von Kramatorsk evakuieren lassen. Der Gouverneur der Region spricht von einer „schwierigen, aber notwendigen Entscheidung“. Die Sicherheitslage verschlechtere sich weiter.
Noch leben mehr als 83.000 Menschen in den Städten Kramatorsk und Slowjansk. Sie harren trotz der Gefahr aus. Vor dem Krieg lebten in dem Ballungsraum noch mehrere Hunderttausend Menschen.
Die Sorge in der Ukraine wächst: Fällt der Festungsgürtel von Kramatorsk und Slowjansk, wäre das einer der schwersten Rückschläge für Kiew seit Langem. Russland könnte so seine Angriffe weiter nach Westen und Norden in Richtung der Millionenstädte Dnipro und Charkiw verlagern.
Putins Ziel
Der Kampf um den Donbas bleibt das wichtigste Kriegsziel von Kreml-Diktator Wladimir Putin (73): Bis Ende des Jahres soll die gesamte Region Donezk erobert werden. Doch Experten zweifeln, dass das gelingen wird. Laut der US-Denkfabrik Institute for Study of War rückten die Russen im Juni 2026 im Schnitt nur rund 1 Quadratkilometer pro Tag vor – noch 5305 Quadratkilometer fehlen, um das Gebiet Donezk komplett unter Moskaus Kontrolle zu bringen.
Und auch fern der Front geht der Terror weiter: In der Nacht zu Samstag töteten russische Drohnen in der Nähe von Kiew drei Menschen: zwei Großeltern und ihren Enkel – er wurde gerade mal 3 Jahre alt.