Washington/Teheran – Kommt jetzt doch noch das Hormus-Wunder? Im Ringen um die Straße von Hormus sollen der Iran und Oman einen Entwurf zur Wiedereröffnung der weltwichtigen Ölroute vereinbart haben. Demnach würde Teheran den einlaufenden Schiffsverkehr überwachen, dürfte aber keine verpflichtende Maut kassieren. Möglich wären jedoch freiwillige Zahlungen für Sicherheit sowie Such- und Rettungseinsätze.
Die Meerenge zwischen Persischem Golf und Arabischem Meer ist seit mehr als fünf Monaten wegen des Irankriegs teilweise blockiert. Vor dem Krieg wurden hier rund 20 Prozent der weltweit gehandelten Energieexporte transportiert. Die Folgen der Sperre: explodierende Ölpreise und eine globale Energiekrise. Der Öffnungsplan sieht jetzt zwei Routen vor: Schiffe in Richtung Golf sollen durch iranische Küstengewässer fahren, auslaufende Frachter entlang der Küste Omans.
Iran stellt USA „Bedingungen“
Doch der Deal ist noch lange nicht sicher. Die USA und weitere Staaten müssten zustimmen. Teheran stellte zudem klar: Die Wasserstraße werde nur geöffnet, wenn Washington bislang nicht genannte Bedingungen erfülle. Der wichtigste Knackpunkt dürfte die US-Blockade iranischer Häfen sein: Sie würgt Teherans Ölexporte ab und setzt die Wirtschaft massiv unter Druck.
Auch Hardliner in den Revolutionsgarden könnten den Deal torpedieren. Zudem muss Irans im Versteck lebender Religionsführer Modschtaba Chamenei (56) zustimmen. Die Kommunikation mit ihm sei derzeit „schwierig“, räumte Präsident Masoud Pezeshkian (71) ein. Letztlich muss auch US-Präsident Donald Trump (80) das Abkommen absegnen. Er hatte zuletzt weitere Bombenangriffe gestoppt, um ein Verhandlungsfenster zu öffnen.
Washington bei Verhandlungen auf Distanz gehalten
Doch Washington wurde beim jüngsten Hormus-Poker offenbar auf Distanz gehalten. Die USA betonen weiterhin, dass sie eine iranische Kontrolle über die Meerenge nicht akzeptieren. Ein möglicher Ausweg: Das Abkommen soll zunächst nur 60 Tage gelten. In dieser Zeit könnten strittige Punkte weiterverhandelt werden. „Sowohl für Teheran als auch für Washington gibt es klare Anreize, Zeit zu gewinnen“, sagte Nahost-Expertin Sanam Vakil zum „Wall Street Journal“. Gehofft wird jedenfalls, dass die Benzinpreise mit einer Hormus-Öffnung fallen könnten, auch in Deutschland.
Auch Trump hofft rund drei Monate vor den wichtigen US-Zwischenwahlen auf Entlastungen für US-Bürger an der Zapfsäule. Der bittere Punkt aber: Ein Hormus-Deal würde ein Problem lösen, das es vor dem Krieg gar nicht gab. Und Verhandlungen über Irans Atomprogramm – laut Trump der eigentliche Kriegsgrund – sind gerade eher ein Nebenschauplatz.