New York – Knall im UN-Sicherheitsrat. Mitten in einer laufenden Sitzung eskalierte der Streit zwischen den eigentlich verbündeten Veto-Mächten USA und Frankreich: In dem Moment, als Frankreichs UN-Botschafter Jérôme Bonnafont (65) ans Rednerpult tritt, steht die amerikanische Delegation auf und verlässt demonstrativ den Saal.
Der Eklat hatte sich bereits Tage zuvor angebahnt. Auslöser war die Wiederwahl von UN-Menschenrechtskommissar Volker Türk (60) am Freitag für weitere vier Jahre. Die UN-Generalversammlung bestätigte den Österreicher mit 144 Stimmen. Nur zehn Länder stimmten dagegen, darunter die USA, Russland, Nordkorea und Nicaragua.
Daraufhin ging die französische UN-Mission die USA scharf auf X an: „Die USA waren einst ein Leuchtturm der Menschenrechte. Das sind sie nicht mehr.“ Weiter hieß es: „Heute stehen sie isoliert an der Seite von Nordkorea, Nicaragua, Mali und Russland. Und die Welt hört ihnen nicht mehr zu.“ Dazu setzte die Mission den Hashtag #AmericaAlone. Ein Post, der in den USA als Affront aufgefasst wurde.
US-Diplomat spricht von „verlogener Effekthascherei“
In Washington löste der Post Empörung aus. US-Botschafter bei den UN Mike Waltz (52) schlug öffentlich zurück und warf Frankreich vor, mit der Unterstützung für Türk Menschenrechtsverletzer zu schonen. Waltz kritisierte zudem, Frankreich greife regelmäßig demokratische Staaten wie die USA, Großbritannien und Israel an, gehe aber deutlich milder mit autoritären Regimen um.
Am Montag entlud sich der Streit schließlich vor laufenden Kameras. Während der Sitzung zum Ukraine-Krieg verließen die US-Vertreter demonstrativ den Saal, als Bonnafont sprechen wollte. Der stellvertretende US-Botschafter bei den UN Dan Negrea (72) legte nach. Er nannte die französischen Äußerungen „verlogene Effekthascherei“. Dann führte er aus: „Es gibt ein Mitglied dieses Rates, das moralische Empörung heuchelt und so tut, als könne es uns alle zu jedem Thema belehren.“ Deshalb hätten die USA während des französischen Redebeitrags die Sitzung verlassen.