Berlin – Die Debatte um den umstrittenen Vizechef der Bundespolizeigewerkschaft GdP und Hauptpersonalratschef der Bundespolizei, Sven Hüber (62), bekommt eine neue, brisante Wendung: Das Portal „Apollo News“ berichtet über schwere Vorwürfe gegen den langjährigen Bundespolizisten aus dessen Zeit als Offizier der DDR-Grenztruppen an der Berliner Mauer. Grundlage seien vor allem Aussagen eines ehemaligen DDR-Grenzsoldaten, die dieser an Eides statt versichert habe.
Ende der 1980er Jahre war Hüber Politoffizier und Vize-Kompaniechef bei einem Berliner Grenzregiment. Bundesweit in die Schlagzeilen geraten war er, nachdem er Mitte August in einem Artikel nahegelegt hatte, bei einem AfD-Wahlsieg könne in Sachsen-Anhalt der innere Notstand ausgerufen werden, Polizisten müssten Widerstand leisten: „Eine AfD-Machtergreifung entbindet keinen Beamten von seinem Eid auf den Schutz der Verfassung, im Gegenteil.“ Gar der innere Notstand könne eintreten.
Grenzverletzer „vernichten“?
Nun berichtet der ehemalige DDR-Grenzsoldat Axel Krause gegenüber „Apollo“, Hüber habe dabei die damalige Formulierung verteidigt, nach der Grenzverletzer „aufzuspüren, festzunehmen oder zu vernichten“ gewesen seien. Selbst nachdem der Wortlaut Anfang 1988 geändert worden sei, habe Hüber laut Krauses Erinnerung erklärt, „vernichten“ habe weiterhin seine Berechtigung und deshalb am alten Wortlaut festgehalten.
Hüber ließ gegenüber „Apollo“ alle Vorwürfe bestreiten. Aus dem 6-Seiten-Anwaltsschreiben dürfe aber nicht zitiert werden, berichten die beiden Apollo-Autoren.
Pistole in den Mund, Tritte gegen den Kopf?
Besonders schwer wiegt ein weiterer Vorwurf: Krause berichtet laut „Apollo News“ von einem Vorfall im Frühjahr 1988, bei dem ein DDR-Flüchtling festgenommen worden sein soll. Hüber sei als Offizier vom Dienst hinzugekommen. Der Zeitzeuge will beobachtet haben, wie Hüber dem am Boden fixierten Mann seine Pistole in den Mund gesteckt habe. Wie Hüber dem Gefangenen die Pistole in den Mund gesteckt haben soll, hat Krause nach eigener Aussage nicht selbst gesehen. Davon habe ihm anschließend ein Kamerad berichtet. Die späteren Tritte ins Gesicht will Krause dagegen mit eigenen Augen beobachtet haben.
Hüber geht in Pension
Die Angaben des Zeitzeugen beruhen auf dessen Erinnerungen an die Ereignisse, die mehr als drei Jahrzehnte zurückliegen. „Apollo News“ beruft sich daneben auf Stasi-Unterlagen, die Teile seiner Schilderungen stützen sollen. Der DDR-Forscher Hubertus Knabe (67) habe die Aussagen Krauses nach Angaben des Portals teilweise anhand von Akten überprüfen können. Zeitzeuge Krause berichtet dies bei „Apollo“ auch im Video-Interview.
Abschied mit Sekt und Blumen im Ministerium
Die neue Recherche kommt für Hüber zu einem ungünstigen Zeitpunkt. Wegen seines AfD-Artikels steht der GdP-Vize ohnehin in der Kritik. Die GdP-Bundesspitze stellt sich danach dennoch hinter Hüber. Bundeschef Jochen Kopelke (42) verteidigte seinen Vize scharf. Zugleich räumte er ein, dass dessen Wikipedia-Eintrag von der GdP verändert worden sei.
Besonders brisant: Hüber soll in diesen Tagen in Pension gehen. Vermutlich mit Blumen und Sekt feierlich verabschiedet für gute Dienste von einem Staatssekretär im Bundesinnenministerium.