Hauptnachrichten

Wolkenkratzer in New York kam ins Wanken: Jetzt spricht der Baufirma-Chef

Wolkenkratzer in New York kam ins Wanken: Jetzt spricht der Baufirma-Chef
TTS-Player überspringenArtikel weiterlesen

New York – Es ist mitten in der Nacht in New York City. Die Stadt kam zur Ruhe, erste Abstützmaßnahmen am einsturzgefährdeten Wolkenkratzer zeigen Wirkung. Das Gebäude ist hell erleuchtet, in seinem Inneren wird weiter gearbeitet. Oben lassen Spezialisten provisorische Säulen einbauen, auf dem Boden wurden die Straßensperrungen aufgehoben. Gegen 23 Uhr (Ortszeit) konnte zwar zunächst Entwarnung gegeben werden, doch die große Frage bleibt: Was führte dazu, dass der Wolkenkratzer in der East 42nd Street ins Wanken kam? Der Chef der Baufirma, die das frühere Hauptquartier des Pharmaherstellers Pfizer derzeit in ein Luxus-Wohnhaus umbaut, will die Antwort kennen.

Am Dienstagmorgen waren tragende Stahlstützen des Hochhauses nahe Chrysler Building und Grand Central Station eingeknickt, mehrere der 38 Etagen abgesackt. Nathan Berman ist geschäftsführender Gesellschafter und Gründer von MetroLoft. Gegenüber dem „Wall Street Journal“ sagte er: „Die zusätzliche Last, die wir auf die betreffenden Etagen aufgebracht haben, führte zum Einsturz genau dieser beiden Pfeiler. Warum ausgerechnet diese beiden Pfeiler und keine anderen? Das wissen wir nicht. Wir untersuchen das gerade.“

„Typisches Bau-Missgeschick“

Gegenüber der „New York Times“ tat er den Vorfall mitten in Manhattan, bei dem zum Glück niemand verletzt wurde, ab: Es sei „nichts weiter als ein typisches Bau-Missgeschick“.

In Übereinstimmung mit den Aussagen der Feuerwehr erklärte Berman gegenüber dem „Wall Street Journal“, dass sich der Schaden auf einen kleinen Teil des Gebäudes beschränke und die Standsicherheit des übrigen Bauwerks nicht gefährde. „Es ist ein zu großes Gebäude. Die Bausubstanz von 95 Prozent des Gebäudes ist intakt und sicher … Es ist ausgeschlossen, dass diese Ecke eines kleinen Anbaus das Gebäude plötzlich zum Einsturz bringt.“

Immer wieder Beschwerden, doch niemand schritt ein

Wie CNN berichtet, gingen beim New Yorker Bauamt in der Vergangenheit mehrere Beschwerden ein, in denen von unsicheren Zuständen im Gebäude die Rede war. „Ich möchte einen unsicheren Gebäudeabriss melden. Aus großer Höhe fällt Schutt herab“, hieß es in einer Beschwerde vom April. Als Inspektoren das Gebäude einen Tag nach Eingang der Beschwerde aufsuchten, stellten sie laut Unterlagen der Behörde keinen herabfallenden Schutt fest und sahen keinen Grund für eine Beanstandung.

Doch das war nicht alles. „Heute ist ein schwerer Gegenstand herabgefallen, hat fünf Stockwerke durchschlagen und hätte beinahe jemanden getroffen“, merkte jemand im Oktober an. „Ständig fallen Betonstücke von oben herab.“ Außerdem bemängelte die Person: „Es gibt gasbetriebene Maschinen ohne ausreichende Belüftung.“ Auch bei diesen Punkten stellten die Inspektoren bei ihrer Überprüfung keine derartigen Zustände fest und sahen keinen Anlass für eine Beanstandung.

Zwei weitere Beschwerden aus dem vergangenen Jahr erwähnten ebenfalls herabfallende Gegenstände, wobei die Inspektionen jeweils zum gleichen Ergebnis führten. Warum die Behörden trotz wiederholter Beschwerden nichts fanden – unklar.

Bauarbeiter schlugen Alarm

Nach Angaben der Feuerwehr gaben zwei Stahlstützen im 21. und 22. Stock nach. Die Stockwerke 21 bis 26 sackten unter der Belastung teilweise ab. Bauarbeiter bemerkten die gefährliche Verformung rechtzeitig und schlugen gegen 8 Uhr am Dienstag Alarm.

Clifford Johnsen von der Baugewerkschaft Steamfitters Local 638 zu CNN: „Die Stahlträger verbiegen sich dort wie Zigaretten. Ich bin seit 21 Jahren im Baugewerbe, und ich habe noch nie einen Träger gesehen, der sich in der Mitte durchbiegt – das ist hochgradig gefährlich.“ BILD-Reporter Torsten Rumpf sprach mit dem Pressesprecher der Feuerwehr, Steve Rhine (48). Demnach „mussten Tausende von Menschen evakuiert werden“.

Das Schlimmste konnte zum Glück verhindert werden: Niemand wurde getötet oder verletzt. Für vier der neun evakuierten Gebäude in der Nähe des instabilen Hochhauses gelten allerdings auch am späten Dienstagabend noch die Evakuierungsanordnungen. Die Arbeiten zur Stabilisierung des Gebäudes werden laut CNN noch länger dauern.

Vielleicht verpasst