Lauta (Sachsen) – Sie glauben, Sie haben schon alles gesehen? Dann schauen Sie sich mal diesen neuen Radweg in Sachsen an. Er ist gerade mal 1,50 Meter breit, hat 90-Grad-Kurven und auch noch Radler-Gegenverkehr. Die neue Fahrbahn-Markierung ist der Gesprächsstoff in Lauta (7700 Einwohner) im Lausitzer Seenland. Selbst der Bürgermeister der Kleinstadt hält ihn für „sinnfrei“. Stellt sich die Frage: Wer hat da ein Rad ab?
Im Ort ließ die Verwaltung die marode Karl-Liebknecht-Straße sanieren. Auf hunderten Metern neuer Asphalt, die Bushaltestelle wurde barrierefrei ausgebaut. „Bisher konnten Radfahrer direkt an der Haltestelle vorbeifahren, an der Neuen ist das aus rechtlichen Gründen nicht mehr möglich“, erläutert Lautas Bürgermeister Frank Lehmann (48, parteilos). Daher musste für Fahrräder ein Weg um den ÖPNV herum entstehen. Und so wurde der neue, seltsame Schutzstreifen auf die Straße markiert.
Radspur mit 90-Grad-Kurven
BILD schaute sich den Streich vor Ort in Sachsen an. Radfahrer Lutz Wehner (69) sagt: „Die ganze Stadt wundert sich, wie man rechteckig um die Kurve kommen soll. Das muss man doch vorher sehen, dass das nicht klappt. Vor allem bei Gegenverkehr.“ Anwohner Mario Brunne (62) berichtet: „Ein Fahrradweg mit Rechtecken ist lustig, normal kann so was nicht sein. „Alle, die hier vorbeikommen, wundern sich und lachen darüber.“
Markierung soll nach 2 Monaten wieder weg
Über den Markierungsirrsinn hatte zuerst die Sächsische Zeitung berichtet. Nun sagt Bürgermeister Lehmann zu BILD, dass die „sinnfreie Markierung“ vom April im Juni wieder wegkommt. Doch anders als in der großen Politik räumte der Kommunalpolitiker die ärgerliche Panne in seinem Bauressort unumwunden ein. „Das müssen wir als Stadt auf unsere Kappe nehmen“, sagt Lehmann (seit 2015 Stadtchef). „Wo Menschen arbeiten, passieren Fehler.“
Mängelbeseitigung kostet 10.000 Euro
Kommunalpolitiker Lehmann selbstkritisch: „Die Lacher hatte ich mir gern erspart. Da wurde über die Planung nicht noch mal genau drübergeschaut. Und jetzt kostet es öffentliches Geld. Da müssen wir uns sensibilisieren und Lehren ziehen. Das hat uns alle maßlos geärgert.“ Rund 10.000 Euro Steuergeld wird die Entfernung und Neu-Markierung neben kleinen Korrekturen kosten, dennoch würde das geplante Baubudget von 600.000 Euro eingehalten.
Auch Verkehrsschilder stehen im Weg
Nach zwei Monaten soll der Radweg wieder weg. Bürgermeister Lehmann zu BILD: „Er soll am Anfang und am Ende nur noch angedeutet werden.“ Die Radler sollen dann die Kurve normal nehmen können. An der Haltestellen-Umgehung herrscht sowieso wenig Verkehr. Bei der Mängelbeseitigung sollen u. a. auch noch Schilder an Parklücken versetzt werden. Sie stehen dort, wo die Autotüren aufgehen. Dass die neue Asphaltstraße wellig geworden ist, das muss die Stadt wiederum nicht auf die Kappe nehmen. Diesen Mangel muss die Baufirma auf eigene Kosten beseitigen. Laut Lehmann soll die Baustelle Ende Juni verschwunden sein. Kommt Zeit, kommt (wieder) Rad …