Berlin – Wolfgang Kubicki macht gleich zu Beginn klar, wohin die Reise für die FDP mit ihm an der Spitze gehen soll – und wen er dabei nicht im Blick hat. Nach seiner gewonnenen Kampfabstimmung um den Parteivorsitz zeigt sich der neue FDP-Chef unversöhnlich: Auf die Frage in den ARD-„Tagesthemen“, wie er seine Kontrahentin Marie-Agnes Strack-Zimmermann und deren Unterstützer für sich gewinnen wolle, antwortete er am Samstagabend knapp: „gar nicht“.
Und dann legte er nach. Seine Aufgabe bestehe nicht darin, „irgendjemanden zu gewinnen, sondern dazu beizutragen, dass die Freien Demokraten von den Wählerinnen und Wählern wieder ernst genommen werden“. Für den neuen Parteichef zählt nur eines: Erfolg an der Wahlurne. „Und darum werde ich mich kümmern“.
Kubicki setzt auf Wahlergebnisse
Zuvor hatte Strack-Zimmermann dem Parteikollegen noch Unterstützung angeboten. „Ich reiche Wolfgang Kubicki ausdrücklich die Hand für eine vertrauensvolle und gute Zusammenarbeit“, erklärte die Europa-Abgeordnete der Deutschen Presse-Agentur in Berlin. „Es geht jetzt nicht um Personen, sondern darum, die FDP gemeinsam wieder stark zu machen.“
Ihre Niederlage bei der Kampfabstimmung am Samstag sieht sie sportlich. Die 68-Jährige zu BILD: „Ich habe mir das gut überlegt. Die Partei hat ein Recht, zu wählen. Wir haben nicht gewonnen, aber Wolfgang weiß jetzt, dass es 60 zu 40 steht. Er muss jetzt verbinden. Wir werden ganz genau schauen, wohin die Partei geht.“
AfD-Debatte prägt FDP-Parteitag
Tatsächlich hatte sich Kubicki mit nur 59,3 Prozent gegen Strack-Zimmermann durchgesetzt, die 39,4 Prozent erhielt. Während Kubicki seine Bewerbung um den Vorsitz bereits vor längerer Zeit angekündigt hatte, warf Strack-Zimmermann erst auf dem Parteitag in Berlin ihren Hut in den Ring – unmittelbar vor den Wahlen zum Präsidium und Bundesvorstand.
Nach ihrer Niederlage argumentierte sie, ihr Ergebnis zeige, dass es Mitglieder gebe, die keine Verschiebung der Koordinaten der Partei wollten. Der Platz der FDP sei nicht zwischen Union und AfD. Schon in den Vorstellungsreden beider Kandidaten spielte das Verhältnis zur AfD eine zentrale Rolle. Strack-Zimmermann griff Kubicki und den später zum Generalsekretär gewählten Martin Hagen scharf an. Sie kritisierte die von ihnen geführte Debatte gegen die Brandmauer.
Kubicki wiederum hatte eine Kooperation mit der AfD zuvor klar ausgeschlossen. Seine Worte: „Es wird mit Liberalen nie eine Zusammenarbeit mit der AfD geben, niemals.“ Am heutigen Sonntag endet der Bundesparteitag der Liberalen mit der Abstimmung über den Leitantrag „Neustart Deutschland“.