Berlin – Skandal bei Deutschlands wichtigstem Geheimdienst! Ex-BND-Chef August Hanning (80) wurde wegen Spionageverdachts verhaftet. Hanning war von 1998 bis 2005 Chef des Bundesnachrichtendienstes.
Vorwurf: Ausspähen von Landesgeheimnissen, Landesverrat und Spionage für eine fremde Macht. Nach BILD-Informationen soll Hanning von einem ehemaligen Mitarbeiter des Leitungsstabs des BND geheime Informationen gegen Geld gekauft haben. Er wollte sie „im Rahmen seiner Beratungstätigkeit weiter veräußern“, heißt es nach BILD-Informationen. Die Ermittlungen führt der Generalbundesanwalt gegen beide Tatverdächtigen.
Ermittler des Bundeskriminalamts (BKA) haben Hanning in seinem Haus in Nordwalde bei Münster festgenommen. Nach Informationen des Spiegel rückten Spezialkräfte der Polizei am frühen Morgen an, um 6.41 Uhr. Er wurde um 8.58 Uhr in einem schwarzen Kleinbus weggefahren.
Gleichzeitig nahmen Beamte in Bayern im Landkreis Bad Tölz-Wolfratshausen einen weiteren ehemaligen hochrangigen BND-Mitarbeiter fest. Dabei handelt es sich um Manfred D., der früher als Büroleiter von Hanning tätig war. Er war auch nach Hannings Amtszeit für mehrere nachfolgende Präsidenten des Bundesnachrichtendienstes als Büroleiter tätig – bis ins Frühjahr 2026. In diesem Job hatte er Zugriff auf geheime Informationen.
Manfred D. soll demnach dem Bundesgerichtshof in Karlsruhe noch heute vorgeführt werden, Ex-BND-Chef Hanning am Mittwoch.
Laut Ermittlern soll Manfred D. dem Beschuldigten August Hanning bis Juni 2022 fast 2000 Dokumente zugespielt haben. Darunter waren zahlreiche als Verschlusssache eingestufte Informationen, die ausschließlich für den internen Gebrauch des Bundesnachrichtendienstes bestimmt waren.
Hanning stolperte über Block-Prozess
Auf die Spur kam man ihnen während der Ermittlungen zum Prozess gegen die Hamburger Unternehmerin Christina Block (53) und weitere Angeklagte wegen des Vorwurfs der gewaltsamen Entführung ihrer beiden Kinder. In diesem Zusammenhang habe es auch den Hinweis auf den offenkundigen Abfluss von Informationen aus dem BND gegeben. Diese Informationen waren für die sogenannte „Nachrichtendienstliche Lage“ (ND) im Kanzleramt bestimmt.
Ob Hanning Informationen direkt an eine fremde Macht weitergeleitet hat, ist Gegenstand der Untersuchungen. Fest steht: Hanning war als Berater in Sicherheits- und Geschäftsbereichen weltweit tätig. Er hatte auch Verbindungen zu Russland und nach China. Auch zu staatlichen Stellen dort und über einen kurzen Weg in den Kreml. Hanning pflegte zudem beste Kontakte nach Israel.
Hanning war, das war bekannt, in erheblichen finanziellen Nöten: Seine Pension wurde seit Jahren gepfändet. Grund: Seine Tätigkeit als Aufsichtsrat für eine Bank im Baltikum. Diese soll von einem Oligarchen ausgenommen und in den Bankrott geführt worden sein. Die Aufsichtsräte – darunter Hanning und Ex‑Nato-Chef und Dänen-Premier Anders Fogh Rasmussen (73) – sollen in Haftung genommen. Anders als Hanning, wurde Rasmussen bisher nicht gepfändet. Ein Gerichtsverfahren ist in Lettland anhängig. Ob Hannings mutmaßliche Geschäfte mit Staatsgeheimnissen damit zu tun hatten, ist noch unklar.
Die Hamburger Justiz hatte im September 2025 Hannings Anwesen im Westerwald und damit auch seine Büros durchsucht. Damals ging es „nur“ um den Fall Block. Ungewöhnlich schon damals: Bei einer mit Hanning verbundenen Firma war ein verdeckter Ermittler eingeschleust worden. Offenbar liefen schon damals die Ermittlungen wegen des Verdachts auf Landesverrat.
Hanning, einst an der Ständigen Vertretung der BRD (eine Art Botschaft) in Ost-Berlin, war von 1998 bis November 2005 Präsident des deutschen Auslandsnachrichtendienstes. Später war er der ranghöchste Beamte im Sicherheitsbereich als Chef aller Sicherheitsbehörden bei Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble (CDU).