Tirol (Österreich) – Es wird eisig kalt. Der Nebel frisst die Sicht und der Wind pfeift über den Grat. Irgendwo hoch oben am Schrankogel (3497 Meter) sitzen zwei deutsche Bergsteiger (beide 18) fest. Sie haben die Orientierung verloren, und die Nacht steht unmittelbar bevor. Was folgt, ist eine dramatische Rettungsaktion in den Tiroler Alpen, die selbst erfahrene Bergretter an ihre Grenzen bringt.
Am Samstag hatten die beiden jungen Männer aus Hannover und dem bayrischen Landkreis Aichach-Friedberg den Schrankogel bei Längenfeld bestiegen. Doch beim Abstieg verloren sie den markierten Steig.
Bergretter schildert dramatische Suche
„Sie sind über einen Umweg ins steile Gelände geraten“, sagt Günter Schöpf (59), Ortsstellenleiter der Bergrettung Gries, zu BILD. Um 16.30 Uhr setzten die Alpinisten schließlich einen Notruf ab. Kurz darauf rückten die Retter aus. Doch der Gipfel war von dichtem Nebel verhüllt.
Ein Hubschrauber kam nicht bis zu den Vermissten durch. Deshalb stiegen vier Bergretter zu Fuß bis auf rund 3200 Meter auf. Doch die Bedingungen wurden immer gefährlicher. Kurz vor Mitternacht fiel die schwere Entscheidung, den Einsatz abzubrechen. „Leider haben wir sie nicht gefunden“, berichtet Schöpf. Die beiden Deutschen blieben allein am Berg zurück.
Deutsche überleben Eisnacht bei bis zu –7 Grad
Während der Nacht hielten die Retter telefonisch Kontakt zu den Deutschen, die an einem windgeschützten Ort ausharrten. Um die Akkus der Handys zu schonen, wurden die Gespräche bewusst kurz gehalten. Währenddessen sanken die Temperaturen auf bis zu –7 Grad. Nach BILD-Informationen hatten die beiden 18-Jährigen zwar Jacken und Ausrüstung dabei, waren für eine solche Tour in den Alpen jedoch schlecht ausgestattet.
Als die Sonne am Sonntagmorgen aufging, hatte sich der Nebel verzogen. Der Gipfel war frei. Um 7 Uhr startete die zweite Suchaktion, keine 50 Minuten später wurden die Vermissten entdeckt. Die Rettung kam in letzter Minute. Die beiden 18-Jährigen waren stark unterkühlt, völlig entkräftet und durchnässt. Der Hubschrauber brachte sie in ein Krankenhaus im Tal. „Das ist ein großes Glück, ein kleines Wunder“, sagt der erfahrene Bergretter. „Das ist ein Gipfel, auf dem schon sehr schwere Unfälle passiert sind.“