Kiew – Schon wieder trifft es Kiew! Bei schweren russischen Angriffen auf die Region um die ukrainische Hauptstadt wurden nach Behördenangaben mindestens 15 Menschen getötet, zahlreiche weitere verletzt. Für die Menschen wird die Angst zur bitteren Routine: Seit Wochen überziehen russische Attacken die Millionenmetropole und ihre Vororte. Und: Offenbar konnte die Flugabwehr keine einzige Rakete abfangen. In der Nacht auf Mittwoch hatten sich viele Bewohner kaum schlafen gelegt, da erschütterten heftige Explosionen das Kiewer Stadtgebiet. In mehreren Bezirken brachen Brände aus. Laut Angaben der Militärverwaltung nahmen die Russen vor allem Wohnhäuser und Lagerhallen ins Visier. Dabei setzten sie offenbar erneut auch viele ballistische Raketen ein. Gegen diese besonders schnell fliegenden Waffen kann sich die ukrainische Flugabwehr nur begrenzt verteidigen. Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj (48) fordert die westlichen Verbündeten deshalb seit Monaten dazu auf, dem Land neue Flugabwehrraketen zu liefern.
Keine einzige Rakete abgefangen
Erschreckend: Nach einer Analyse der Nachrichtenagentur AFP hat Russland die Zahl seiner Angriffe im Juli verdoppelt. Die Attacken folgen dabei meist einem identischen Muster: Zuerst schwächen Massen an billigen Drohnen die Flugabwehr. Anschließend richten die deutlich teureren Raketen schwere Schäden an. Dieses Mal soll es den Ukrainern nicht gelungen sein, auch nur eine einzige der ballistischen Raketen abzufangen. Die russische Armee habe die Ukraine mit 98 Drohnen und 28 Raketen angegriffen, nur die Drohnen seien abgefangen worden, erklärte die Luftwaffe am Mittwoch.
Ukraine greift Ziele in Russland an
In den vergangenen Wochen hat sich der Fokus im Ukraine-Krieg deutlich von der Front ins Hinterland verlagert. Der Grund: Beiden Seiten gelingt es kaum noch, Geländegewinne zu erzielen. Unterdessen haben die Ukrainer ihre bisherige Strategie geändert und greifen nun vor allem Ziele tief im russischen Hinterland an. Jeder Treffer eines Erdöl-Depots oder einer Industrieanlage soll Russlands Wirtschaft schwächen und Kreml-Chef Wladimir Putin (73) an den Verhandlungstisch zwingen. Allerdings sterben auch bei ukrainischem Beschuss immer wieder Zivilisten. So gab es am Montag mehrere Tote an einem Strand am Schwarzen Meer, als die Flugabwehr eine ukrainische Drohne abschoss. Russland rächte sich mit blutigen Angriffen auf Wohnhäuser: „Der Feind greift erneut gezielt Zivilisten und zivile Infrastruktur an“, erklärte die Militärverwaltung am Mittwoch auf Telegram zu den Angriffen auf Kiew. Noch immer suchen die Retter nach Verletzten.