Mehr als zweieinhalb Wochen nach einem Brand in einer Anlage des Satellitenkommunikationssystems Starlink in Polen sind zwei Verdächtige in Deutschland festgenommen worden. Dies teilte der polnische Ministerpräsident Donald Tusk auf X mit. Die deutsche Polizei habe die beiden Personen im Auftrag der polnischen Behörden in Gewahrsam genommen.
Die türkischen Staatsbürger stünden im Verdacht, die Starlink-Station in der Region Masowien in Brand gesetzt zu haben. Tusk sprach in diesem Zusammenhang von einem »weiteren Akt hybrider Kriegsführung«.
Die Station im Besitz des staatlichen Telekommunikationsunternehmens Exatel war Ende September angezündet, durch den Brand aber nicht zerstört worden. Sie wird nach Angaben der polnischen Behörden auch dazu genutzt, Internetdaten durch Polen und auch in die Ukraine zu leiten.
Ukrainische Armee auf Starlink angewiesen
Die Anlage wird auch von Systemen des Raumfahrtunternehmens SpaceX genutzt, die über Starlink-Terminals eine Internetverbindung bereitstellen. Starlink wird von SpaceX betrieben, das Techmilliardär Elon Musk gehört. Dieser hatte das Satellitennetz für die Ukraine im Jahr 2022 nach dem Beginn der russischen Invasion freigeschaltet. Polen übernimmt nach eigenen Angaben die Kosten für die Abonnements der Ukraine. Das ukrainische Militär ist bei der Kommunikation auf dem Schlachtfeld und für Drohneneinsätze auf Zehntausende Starlink-Terminals angewiesen.
Der polnische Vizeregierungschef Krzysztof Gawkowski hatte einen Tag nach dem Feuer von gezielter Sabotage mit dem Ziel gesprochen, die Station außer Betrieb zu setzen. Ein Ausfall der Station hätte den Internetzugang für verschiedene Institutionen gestört, einschließlich der ukrainischen Armee.
Russische Dienste sollen Nähe zu kriminellem Milieu suchen
Der Koordinator der Sicherheitsdienste in Polen, Tomasz Siemoniak, sagte, es gebe keinen Zweifel, dass russische Dienste hinter dem Vorfall steckten. Diese versuchten zudem zunehmend Personen aus dem kriminellen Milieu einzubinden. Die russische Botschaft in Warschau äußerte sich zunächst nicht zu den Vorwürfen.
Spitzenpolitiker mehrerer EU-Staaten warnen bereits seit Monaten vor
russischen Sabotageakten, Cyberangriffen und anderen hybriden
Aktivitäten in Europa, um die Unterstützung für die Ukraine zu
schwächen. Erst im September wies Regierungschef Tusk auf die Gefahr hybrider Angriffe Russlands mit Drohnen oder sogar Raketen auf Verbündete der Ukraine hin. Russland weist derartige Vorwürfe zurück und spricht von
antirussischer Hysterie.