Stockholm – Eigentlich sollte für Rayen Rodriguez (45) nach Jahren voller Schmerzen ein neues Leben beginnen. Eine Spenderleber schenkte der Schwedin neue Hoffnung. Doch wenige Wochen später folgte die niederschmetternde Diagnose: Das transplantierte Organ trug bereits Metastasen eines nicht erkannten Brustkrebses in sich. Jetzt kämpft die Mutter selbst gegen Krebs, muss sich einer Chemotherapie unterziehen.
Rayen Rodriguez leidet an einer genetisch bedingten chronischen Erkrankung, bei der sich Leber und Nieren mit Zysten füllen. Die Schmerzen wurden immer schlimmer, dazu kam eine extreme Erschöpfung. „Am Schluss sagte ich nur noch, dass das hier kein Leben mehr ist und die Ärzte mit mir machen können, was sie wollen“, äußerte sie sich gegenüber der schwedischen Zeitung „Dagens Nyheter“.
Nach der Hoffnung kam die Ernüchterung
Dann kam endlich der rettende Anruf: Eine passende Spenderleber war gefunden. Nach der Transplantation zeigte ihr das Ärzteteam ein Foto ihrer entfernten, veränderten Leber. Statt der üblichen etwa 1,5 wog sie rund 6 Kilogramm. Rayen wurde klar, wie krank sie tatsächlich gewesen war. Endlich glaubte sie an einen Neuanfang. Doch der hielt nicht lange. Als plötzlich Blut im Urin auftrat und die starke Müdigkeit zurückkehrte, vermuteten die Ärzte zunächst Probleme mit ihren Nieren, befürchteten auch dort einen Zystenbefall.
Organ war von Krebszellen befallen
Eine Computertomografie brachte jedoch eine andere Ursache ans Licht: In der transplantierten Leber war ein auffälliger Schatten zu sehen. Eine Gewebeprobe bestätigte den Verdacht. Das Spenderorgan war von Metastasen befallen. Die Krebszellen stammten von einem Brustkrebs. Da Rayen selbst keinen Brustkrebs hatte, blieb nach Angaben der Ärzte nur eine Erklärung: Die Krebszellen waren bereits mit dem Spenderorgan übertragen worden. „Ich war am Boden zerstört. Das war einfach zu viel“, sagte die Sonderschullehrerin.
Trotz gründlicher Untersuchung übersehen
Dass Krebs durch ein Spenderorgan übertragen wird, kommt nur äußerst selten vor. Internationale Studien zufolge geschieht das bei drei bis sechs von 10.000 Organtransplantationen.
Die Organspenderin war im Karolinska-Krankenhaus in Stockholm verstorben. Nach Angaben eines Patientenverbandes trug sie Brustimplantate. Möglicherweise hätten diese dazu beigetragen, dass der Brustkrebs vor der Organentnahme nicht erkannt wurde. Bestätigt ist dieser Zusammenhang jedoch nicht.
Das Karolinska-Krankenhaus ließ den Fall anschließend überprüfen. Gabriel Oniscu, medizinischer Leiter des Krankenhauses, erklärte gegenüber „Dagens Nyheter“, die Krebsveränderungen könnten zu klein gewesen sein, um entdeckt zu werden. Nach einer Transplantation könne das geschwächte Immunsystem vorhandene Krebszellen wachsen lassen. Zugleich betonte er, die Überprüfung habe ergeben, dass bei der Organentnahme niemand einen Fehler gemacht habe.
Neue Transplantation und Chemo
Auch weitere Patienten erhielten Organe derselben Spenderin. Sie wurden nach Angaben des Krankenhauses über den Vorfall informiert. Rayen Rodriguez wartet nun erneut auf ein Spenderorgan. Nach der nächsten Transplantation wird sie die Chemo fortsetzen müssen. „Ich mache mir Sorgen, dass ich mich davon nicht mehr erhole.“ Ihre Hoffnung auf ein normales Leben hat sie dennoch nicht aufgegeben: „Ich hoffe, dass alles wieder gut wird, dass ich wieder reisen und spontan sein kann.“