Berlin – Die Zahl der Menschen, die in diesem Rekordsommer während der Hitze gestorben sind, steigt weiter dramatisch an. Nach aktuellen Schätzungen des Robert Koch-Instituts (RKI) sind seit Jahresbeginn bereits rund 15.800 Menschen durch die Folgen hoher Temperaturen gestorben. Damit hat 2026 schon jetzt mehr hitzebedingte Todesfälle gefordert als jedes einzelne komplette Jahr seit Beginn der RKI-Auswertungen 2016.
Zum Vergleich: Der bisherige Höchstwert wurde im besonders heißen Sommer 2018 mit rund 9000 hitzebedingten Todesfällen registriert. Die aktuelle Schätzung liegt damit um Tausende Fälle darüber.
Der Juni 2026 war nach Daten des EU-Klimadienstes Copernicus der heißeste Juni, der jemals in Westeuropa gemessen wurde.
Vor allem ältere Menschen betroffen
Besonders gefährlich sind hohe Temperaturen für ältere Menschen. Fast 11.900 der bislang geschätzten Hitzetoten waren älter als 75 Jahre. Allerdings betrifft die Übersterblichkeit nicht nur Senioren: Laut RKI gab es auch rund 1500 hitzebedingte Todesfälle bei Menschen unter 65 Jahren.
Wichtig ist dabei die Einordnung: Die Betroffenen sterben in aller Regel nicht direkt „an“ Hitze. Hitze taucht auf Totenscheinen normalerweise nicht als Todesursache auf. Vielmehr verschlimmern hohe Temperaturen häufig bestehende Erkrankungen, etwa des Herz-Kreislauf-Systems, der Lunge oder der Nieren.
Deshalb spricht das RKI von hitzebedingten beziehungsweise hitzeassoziierten Todesfällen. Die Behörde berechnet die Zahlen mit statistischen Modellen. Sie zeigen, wie viele Menschen während Hitzeperioden zusätzlich sterben (Übersterblichkeit). Schon ab einer durchschnittlichen Wochenmitteltemperatur von rund 20 Grad steigt die Zahl der Todesfälle nach RKI-Angaben messbar an.
Das fordern Politiker
Die neuen Rekordzahlen verschärfen auch die politische Debatte über den Hitzeschutz in Deutschland. Bundesumweltminister Carsten Schneider (SPD) fordert weiterhin eine Grundgesetzänderung, damit Bund und Länder gemeinsam mehr Geld in Schutzmaßnahmen investieren können. Unterstützung erhält er von den Grünen. Die Bundestagsabgeordnete Julia Schneider kritisiert ein „Zuständigkeitsproblem“ beim Hitzeschutz und fordert zusammen mit ihrer Partei einen bundesweiten Hitzegipfel.