Hauptnachrichten

Streit um 10 Gramm! Bäcker darf keine halben Brote mehr verkaufen.

Streit um 10 Gramm! Bäcker darf keine halben Brote mehr verkaufen.

Pfaffenhofen (Bayern) – Wenn jemand in der Bäckerei Breitner nur ein halbes Brot will, dann nimmt die Verkäuferin einen ganzen Laib, schneidet ihn in der Mitte durch und berechnet den halben Preis. Seit 66 Jahren – so lange gibt’s die Bäckerei – macht man das bei Breitner so. Doch dann wog ein Kunde seine Hälfte zu Hause nach – und löste einen amtlichen Vorgang aus, der den Bäcker am Ende 15.000 Euro kostete.

„Seine Hälfte war angeblich zehn Gramm zu leicht“, sagt Bäckermeister und Konditor Matthias Breitner (65) aus Pfaffenhofen an der Ilm (Bayern). „Ich bekam eine anonyme E-Mail, in der er sich bitterlich beschwerte.“ Zehn Gramm, das ist nicht einmal eine halbe Scheibe Brot. Doch der Kunde fühlte sich betrogen und schaltete die Behörden ein. Denn für den halben Laib waren ihm wie üblich 2,40 Euro berechnet worden, exakt die Hälfte des Preises für ein ganzes Mischbrot.

„Manchmal gewinnt man, manchmal verliert man“

„Ich habe dann ein bisschen lapidar zurückgeschrieben: Manchmal gewinnt man, manchmal verliert man. Beim nächsten Mal sind es bestimmt zehn Gramm mehr“, sagt Breitner. „Das war wahrscheinlich mein Fehler. Das Brot wird bei uns ja auch nicht mit der Hand geteilt, sondern kommt in eine Brotschneidemaschine und wird dort genau in der Mitte durchgeschnitten.“

Plötzlich kam das Eichamt vorbei

Der Kunde gab sich nicht zufrieden und schaltete die Behörden ein. Breitner: „Plötzlich kam das Eichamt vorbei und hat mir untersagt, weiterhin halbe Brote zu verkaufen.“ Es sei denn, er wiege seine halben Brote künftig mit einer amtlich geeichten Präzisionswaage und berechne anschließend den exakten Preis. So schreibt es seit 2020 tatsächlich die Fertigpackungsverordnung (kurz: FPackV) vor. Das Gesetz besagt: Hätte der Bäcker seine Brote vorher geteilt, als halbe Brote ausgepreist und ins Regal gelegt, müsste er nicht nachwiegen. Wird ein ganzes Brot zum Kilopreis (hier: 4,80 Euro) angeboten und erst auf Kundenwunsch geteilt, muss nachgewogen werden. Doch Dutzende halbe Brote, die dann über den Tag antrocknen, will sich der Bäcker nicht ins Regal legen.

Neue Waagen für 15.000 Euro

„Deshalb musste ich neue Waagen für meine Filialen anschaffen“, sagt der Bäcker. „Mit der Arbeitszeit und der neuen Software hat mich das 15.000 Euro gekostet. Das Geld hole ich mit dem halben Brot nie wieder rein. Ich kann von den Leuten doch nicht verlangen, dass sie immer ganze Brote kaufen. Wenn ich nachschaue, spielt es sich im Drei-Cent-Bereich ab, wie viel die Leute jetzt mehr oder weniger für ihr halbes Brot zahlen müssen.“

Die Geschichte sorgt inzwischen sogar für kuriose Nachfragen in der Bäckerei. „Ich habe Kunden, die wissen wollen, ob sie das Brot auch kaufen dürfen, wenn sie ausdrücklich schriftlich zustimmen, dass es nicht gewogen wird.“ Andere Bäcker in Pfaffenhofen würden jetzt nur noch ganze Brote verkaufen, damit sie keinen Ärger mit dem Eichamt bekommen.

Vielleicht verpasst