Washington (USA) – Sie war nur fünf Tage im Amt, dann kam der Abschuss: Katie Zacharias' (41) Karriere als Pressesprecherin im Weißen Haus war geprägt von Pannen. Doch ihr Sturz soll ausgerechnet in Donald Trumps engstem Umfeld orchestriert worden sein. Wie Politico (gehört wie BILD zu Axel Springer) berichtet, soll die mächtige Stabschefin Susie Wiles (69) eine wichtige Rolle dabei gespielt haben. Zacharia sei nicht ihre erste Wahl gewesen.
Der Bericht stützt sich auf die Angaben von zwei Informanten mit Kenntnis der internen Abläufe im Weißen Haus. Ihnen zufolge soll Susie Wiles dabei geholfen haben, ein Interview für Zacharia mit dem Trump-Vertrauten Sean Hannity (64) einzufädeln. Hannity ist Moderator bei Fox News – dem Lieblingssender des Präsidenten. Bei dem Gespräch am Donnerstagabend (Ortszeit) hatte Hannity die neue Sprecherin wegen ihres holprigen ersten Pressebriefings und der offensichtlich falschen Angaben zu ihrer Anwaltskarriere hart konfrontiert.
Zacharia versuchte, sich gegen die Vorwürfe zu verteidigen: Ihre kurze erste Fragerunde mit den Journalisten, bei der die 41-Jährige nur drei Fragen zugelassen hatte, sei auf eine „sehr geringe Vorbereitungszeit“ zurückzuführen. Sie habe die Unterlagen erst am selben Morgen erhalten. Auf die Nachfrage von Hannity, ob sie dem Stab des Weißen Hauses – also Susie Wiles – vorwerfe, sie nicht gut genug vorbereitet zu haben, geriet sie sofort in Erklärungsnot.
Zacharia wurde von Hannity gegrillt
Auch zu ihrem Lebenslauf bohrte der Moderator nach. Zacharia musste einräumen, 2011 durch das Anwaltsexamen gefallen zu sein und die Prüfung nie wiederholt zu haben. Hannity fragte, ob es stimme, dass sie sich nach Rücksprache mit Beratern dennoch als Anwältin bezeichnet habe. Zacharia bestätigte das – und erklärte, sie habe nie eine Rechtsberatung angeboten und auch nicht vorgehabt, in den Anwaltsberuf einzusteigen.
Am Morgen nach dem Interview erklärte Trump vor Journalisten, er habe Zacharia empfohlen, den Job zu überdenken. Sie müsse das nicht tun. Hinter den Kulissen soll er laut Politico gesagt haben, Zacharia habe kein Talent und gehöre nicht ins Fernsehen. Wenig später bestätigte das Weiße Haus ihren Rauswurf.
Insider: ein „abgesegneter Abschuss“
Das Hannity-Interview sei ein „abgesegneter Abschuss“ gewesen, so ein Informant laut Politico. Wiles habe Hannity die neue Sprecherin regelrecht „zum Fraß vorgeworfen“. Seit ihrer Berufung zur Stabschefin hat Wiles den Beinamen „Eiskönigin“ („Ice Baby“). Doch im Weißen Haus will man davon nichts wissen. Ein hochrangiger Mitarbeiter erklärte, zwar würden Wiles und Hannity miteinander sprechen, doch ein derartiges Manöver sei „nicht ihre Art“. Auch Trumps Kommunikationsdirektor Steven Cheung nennt die Vorwürfe „Spekulation“ und „Fiktion“.
Und Fox News erklärte, Hannity entscheide selbst, wen er interviewe und welche Fragen er stelle. Ein Insider beim Sender sieht die Verantwortung ohnehin bei Zacharia: „Sie hat sich mit ihrer eigenen Leistung selbst erledigt.“ Tatsache ist: Zacharia hat mit der Dauer ihrer Amtszeit sogar den früheren Kommunikationschef Anthony Scaramucci (62) unterboten. Er musste nach elf Tagen gehen. Über Zacharia schrieb er auf X: „Rekorde sind da, um gebrochen zu werden.“