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Mit BILDplus nachforschen: Die Nazi-Akte Ihrer Familie

Mit BILDplus nachforschen: Die Nazi-Akte Ihrer Familie
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Berlin – Das große Schweigen am Abendbrottisch: Opa und Oma, die kaum sprechen mögen über die Nazi-Zeit. Das war für viele Deutsche in den Nachkriegsjahren Alltag und ist es bis heute. Fragen nach Parteimitgliedschaft, Mitläufertum oder persönlicher Verantwortung und Schuld sind in so vielen Familien immer noch unbeantwortet. Neue Technologie, neue Datenzugänge, vor allem Millionen alte NSDAP-Karteikarten, machen inzwischen aber die unbekannte und verdrängte Familiengeschichte leicht zugänglich. Auch BILD gibt Ihnen nun eine ganz einfache Möglichkeit, in diesen Akten bestmöglich nach Ihren Vorfahren zu suchen, sich selbst Ihre Familienakte zusammenzustellen und herunterzuladen. Und darüber hinaus erfahren Sie, wann wie viele Menschen in Ihrem Dorf, in der Stadt Ihrer Großeltern der NSDAP beitraten. Und Sie erhalten – mit Hilfe von KI auf Grundlage wissenschaftlicher Erkenntnisse – Antworten auf Ihre ganz persönlichen Fragen zu Ihrer Familiengeschichte.

Mit BILDplus können Sie einfach selbst nachforschen, ob Ihre Familienmitglieder der NSDAP angehörten. Unseren Experten ist es gelungen, Datenbanken mit NS-Unterlagen und historischen Informationen aus den USA und Deutschland zu verbinden und nutzbar zu machen. Recherchen, die bislang viel Zeit in Anspruch nahmen, sind jetzt in Sekundenschnelle durchführbar.

Sie können einen Namen in das Suchfeld eingeben, einen Ort und ein Geburtsdatum, und die KI durchsucht unter anderem die vom US‑Nationalarchiv digitalisierten 12,7 Millionen Karten der NSDAP‑Mitgliederkartei – der zentralen Mitgliederkartei und der Gau- bzw. Ortsgruppenkartei.

Viele Parteimitglieder tauchen deshalb zweimal auf. Die BILD-Suchmaske liefert zusätzlich Hinweise dazu, ob der Name in Akten der SA oder der SS, in Entnazifizierungsunterlagen oder in Zeitungen der Nazi-Zeit zu finden ist – soweit diese Informationen digital zugänglich sind. Auch nach Portrait-Fotos aus der NSDAP‑Kartei wird gesucht.

Professor Jürgen W. Falter (82, Uni Mainz), der eines der wichtigsten NSDAP-Standardwerke geschrieben hat, sagt zu BILD zur KI-Suche: „Ein riesiger Vorteil besteht darin, Untersuchungen, an denen viele Mitarbeiter monate-, ja jahrelang arbeiten, in viel kürzerer Zeit durchzuführen. Das beschleunigt die Gewinnung neuer Erkenntnisse enorm. Mein Forschungsprojekt über die Mitglieder der NSDAP erstreckte sich über die Dauer von insgesamt acht Jahren, wobei darin mehrere wissenschaftliche Mitarbeiter und Hilfskräfte beschäftigt waren. Heute ist das in wenigen Monaten, ja sogar mithilfe einer gut trainierten KI in wenigen Wochen zu leisten.“

Fragen zur Akte stellen

Wenn Sie bei der Suche einen Treffer gelandet haben, erstellt die KI eine erste Zusammenfassung. Sie können ihr dann in einem Chat weitere Fragen zur Akte stellen. Zum Beispiel: Was bedeutet diese oder jene Abkürzung? Was heißt das Eiserne Kreuz neben dem Feld „Ausgetreten“? Was bedeutet es, wenn man vor den ersten großen Wahlerfolgen eintrat? Was ist, wenn man erst mit der großen Welle nach der Reichstagswahl im März 1933 mitschwamm?

Außerdem sehen Sie den Scan des Original-Dokuments, bei . So können Sie eintauchen in eine andere Zeit, in die teils dunkle Geschichte Ihrer Familie. Wenn Sie historische Dokumente sichern wollen, können Sie das mit einem Klick.

So wurden die NSDAP-Akten digitalisiert

Wichtig: Es gibt bei gängigen Namen viele Doppelungen, man muss dann auch auf das Geburtsdatum und den Geburtsort achten. Es gibt zudem Fehler in den Akten und auch beim Auslesen der Karteikarten passieren noch Fehler.

Und wenn jemand nicht in den Akten auftaucht, heißt das nicht, dass die Person NICHT bei der NSDAP war. Karten von etwa 80 Prozent der NSDAP-Mitglieder wurden gerettet und digitalisiert. Es gab auch viele überzeugte Nazis, die aus verschiedenen Gründen nicht in die Partei eintraten. Am Ende war etwa jeder zehnte Deutsche Mitglied – die Unterstützung Hitlers war aber weitaus größer.

Auch die sogenannten „Entnazifizierungsakten“ sind mit Vorsicht zu lesen. Wenn jemand dort als entlastet, Mitläufer oder minderbelastet eingestuft wurde, heißt das nicht, dass er oder sie keine Verbrechen begangen oder sich nicht an NS-Opfern bereichert hat. Ehemalige Weggefährten stellten oft beschönigende oder gelogene „Persilscheine“ aus, mit dem Ziel, den Kameraden reinzuwaschen.

Millionen NSDAP-Dokumente sollten bei Kriegsende vernichtet werden. Dass wir heute trotzdem darin forschen können, verdanken wir einem mutigen Deutschen, der sich dem Vernichtungsbefehl widersetzte und die Akten rettete. Die Unterlagen kamen anschließend in das von der US-Armee eingerichtete Berlin Document Center. Die Amerikaner ließen die Karteikarten auf Mikrofilm sichern; diese Aufnahmen wurden jetzt digitalisiert. 1994 übernahm das Bundesarchiv die Originale.

Professor Falter von der Uni Mainz sagt weiter: „Gleichzeitig demokratisiert sich sozusagen der Umgang mit den gewonnenen Erkenntnissen, da andere Forscher, ja selbst kenntnisreiche Laien, viel leichter prüfen können, ob das, was gefunden und veröffentlicht wurde, auch stimmt. Wir stehen erst am Anfang einer Entwicklung, deren Potenzial wir nur ahnen können.“

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