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Wim Wenders: Nach Streit um Nacktszene zieht er Film mit Nastassja Kinski zurück

Wim Wenders: Nach Streit um Nacktszene zieht er Film mit Nastassja Kinski zurück
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Berlin – Die Kritik ist angekommen. Die Konsequenzen wurden gezogen. Wenige Tage, nachdem der öffentliche Druck lauter und lauter geworden war. Nach dem Eklat um eine Nacktszene mit der damals erst 13 Jahre alten Schauspielerin Nastassja Kinski (heute 65) soll der Film „Falsche Bewegung“ von Regisseur Wim Wenders (80) vorerst nicht mehr gezeigt werden. Der Film werde aus allen aktuellen Auswertungsformen zurückgezogen. Das teilte die Wim-Wenders-Stiftung mit.

Wenders zieht die Reißleine

Damit zieht einer der bedeutendsten deutschen Regisseure die Reißleine – 51 Jahre nach Entstehung des Films.

Auslöser war ein viel beachteter Auftritt Wenders’ bei der Verleihung des Deutschen Filmpreises am vergangenen Freitag in Berlin. Vor rund 1900 Gästen sprach der Regisseur ungewöhnlich offen über eine Szene, die ihn bis heute beschäftigt.

In „Falsche Bewegung“ aus dem Jahr 1975 ist Nastassja Kinski mit nacktem Oberkörper zu sehen. Damals war die spätere Weltstar-Schauspielerin erst 13 Jahre alt.

„Das würde ich heute nie mehr so machen“, bekannte Wenders auf der Bühne. Er habe inzwischen einen völlig anderen Blick auf die damaligen Entscheidungen. „Ich weiß heute mehr, viel mehr. Es gibt andere Sensibilitäten, wir leben in einer völlig anderen Welt als vor 50 Jahren.“

Debatte um die Szene schwelt seit Jahren

Die Debatte um die Szene schwelt seit Jahren. Nastassja Kinski fordert schon lange, dass die Aufnahmen aus dem Film entfernt werden. Erst kürzlich sagte sie der „Süddeutschen Zeitung“: „Obwohl ich mit 13 noch nicht so viel wusste, habe ich schon gemerkt, dass das nicht in Ordnung war.“

Auch öffentlich erhöhte Kinski zuletzt den Druck. Bei Instagram veröffentlichte sie ein Foto aus dem Film und richtete sich direkt an den Regisseur. Zu dem Bild schrieb sie: „Gerechtigkeit wünschte ich mir schon damals, aber wenigstens jetzt, Wim Wenders.“

Beim Deutschen Filmpreis ging Wenders erstmals ausführlich auf diese Forderungen ein. Vor dem Publikum stellte er eine Grundsatzfrage, die weit über seinen eigenen Film hinausgeht: „Wie geht man mit Filmerbe um?“

Darf ein Werk Jahrzehnte nach seiner Entstehung verändert werden, wenn eine Beteiligte darunter leidet? Soll eine Szene entfernt werden, weil sie aus heutiger Sicht problematisch erscheint?

Kann man einen Film im Nachhinein kürzen?

„Kann man einen Film im Nachhinein kürzen?“, fragte Wenders und räumte ein: „Ich bin mit dieser Frage ziemlich allein. Und ich bin auch ratlos.“

Für den Regisseur geht es dabei nicht nur um seinen eigenen Film, sondern um einen möglichen Präzedenzfall für die gesamte Filmbranche. Würde „Falsche Bewegung“ nachträglich verändert, könnten künftig auch andere Werke betroffen sein.

„Dann ist es bei allen anderen Filmen später möglich“, warnte Wenders. Deshalb wünsche er sich eine breite Diskussion – auch innerhalb der Deutschen Filmakademie und insbesondere mit jüngeren Generationen.

„Ich möchte es diskutieren, und ich möchte da nicht allein bleiben“, sagte der Regisseur.

Die Entscheidung, den Film nun vorerst aus dem Verkehr zu ziehen, zeigt: Die Diskussion hat längst begonnen. Und sie hat bereits konkrete Folgen.

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